Viele von Euch werden sich verwundert die Augen reiben: Was macht ein solcher Fahrsport-Artikel in diesem Blog? Ist doch ganz klar – erst einmal reden wir hier von Fahrsport – unabhängig vom Antriebssystem – und Traditions-Gespannfahren heißt: Man bewegt Fahrsportgeräte, die zum Teil zu einer Zeit gebaut wurden, als Berta Benz noch nicht an eine Fahrt von Mannheim nach Pforzheim dachte, weil es den Benz Motorwagen noch nicht gab und Wagen zwar schon über Pferdestärken verfügten, die in ihrer Zahl aber durchaus überschaubar waren – an den Fingern einer Hand abzuzählen.

Sandy Böttger auf einem Buggy von 1930 verliert fast den Hut - nicht die Contenance

Sandy Böttger auf einem Buggy von 1930 verliert fast den Hut – nicht die Contenance

Und gebaut wurden früher so wunderbare Gattungen wie Cabriolets, Landauer, Spider, Phaeton, Buggys,  Doktorwagen, Jagdwagen (neudeutsch: Shooting Brake…) – wenn man so will auch Lieferwagen, die sich sogar bei einigen Brauereien bis in die jüngste Vergangenheit hielten. Fahrzeugtypen, die wir heute auch mit eingebautem Motor kennen. Die ersten Motorwagen unterschieden sich optisch von den Kutschen sowieso nur durch den Wegfall einer Deichsel. Selbstverständlich können wir uns auch über Radaufhängungen unterhalten, Achsarten, etc. Aber genug der Technik. An dieser Stelle müssen wir uns schließlich nicht dafür rechtfertigen, dass wir uns mit sehr traditionellen Fahrzeugen beschäftigt haben.

Ann Kathrin Hansen 15 Jahre alt lenkt einen Linzer Wagen der um 1900 gebaut wurde

Ann Kathrin Hansen – 15 Jahre – alt lenkt einen Linzer Wagen der um 1900 gebaut wurde

Der 26. April 2014 war ein wunderbarer Tag: kein Wölkchen am Himmel, sommerliche Temperaturen – ja, wir reden tatsächlich von Norddeutschland – und auf unserem Terminkalender stand: Traditions-Gespannfahren auf Gut Basthorst. Auf dem herrlichen Landgut der Familie von Ruffin, 40 Kilometer östlich von Hamburg, hatte die rührige Angelika Dreckmann-Hilken (www.angelika-dreckmann.de) zum sechsten Mal in Folge mit unermüdlichem Einsatz sowie zahlreichen ehrenamtlichen Helfern nebst Unterstützern eine Veranstaltung für Traditionsgespanne aller Art (siehe oben) auf die Beine gestellt. Man kannte sich – war unter Freunden und schätzte die Idylle des Ortes, der Landschaft, die üppig blühenden Rapsfelder und Kirschbäume, den kitschig stahlblauen Himmel… und den Sport. Schließlich befanden wir uns auf einem Turnier – wenn man so will einer Rallye für historische Fahrzeuge ab Baujahr 1880.

Corvin Schulz 10 Jahre alt und schon zum 6. Mal dabei

Corvin Schulz – 10 Jahre alt und schon zum 6. Mal dabei

Zum Auftakt wurden die teilnehmenden Fahrzeuge angemessen präsentiert. Dabei achteten die erfahrenen Juroren sehr auf Originalität – bis hin zur Garderobe der Fahrer, oder besser Lenker. Anschließend folgte ein anspruchsvoller Fahrparcours mit Geschicklichkeits-Übungen vor den Augen des kritischen Publikums. Dabei sollten zusätzliche Aufgaben bewältigt werden – wie die Bestimmung von Kraftstoff (hier: Futtermittel) oder eine Ballwurfübung vom stehenden Fahrgerät aus.

Renate Kettner mit Tochter Jasmin fährt einen Korb Leiterwagen aus dem Erzgebirge

Renate Kettner mit Tochter Jasmin fährt einen Korb Leiterwagen aus dem Erzgebirge

Anschließend ging die Reise auf unterschiedlichen, abgesteckten Routen in die nähere Umgebung – mittendrin eine Art „Schlauchprüfung“, bei der eine zu fahrende Geschwindigkeit für eine definierte Strecke angekündigt werden musste, deren Einhaltung dann auf die Sekunde überprüft wurde… Kommt Euch das bekannt vor? Wir sind von einer Oldtimerrallye klassischen Stils (mit Motor) thematisch gar nicht so weit entfernt. Nur ökologisch ist diese Variante wesentlich angesagter.

Stefani Haller auf einem Tilbury Gig 1900 mit schwerem Warmblut

Stefani Haller auf einem Tilbury Gig 1900 mit schwerem Warmblut

Insgesamt nahmen 28 Gespanne aus der näheren und weiteren Umgebung (Paul Sidwell aus England) teil. Der jüngste Wagenlenker – Corvin Schulz – zählte mit seinen 10 Lenzen schon insofern zu den alten Hasen, als er heuer bereits zum sechsten Male mit Begeisterung dabei war. Andere Akteure waren auch erst 15 Jahre alt (Ann Kathrin Hansen). Für den Nachwuchs ist also gesorgt! Wobei natürlich die Kleinsten – barfuß mit ihrem Ziegengespann – wieder einmal die Herzen von sämtlichen anwesenden Eltern im Sturm eroberten.

Ein Beispiel für einen Lieferwagen ist der Bäckerwagen von Jessica Läufer

Ein Beispiel für einen Lieferwagen ist der Bäckerwagen von Jessica Läufer

Bei jedem Wettbewerb gibt es am Ende auch Sieger, doch wir hatten das Gefühl, dass Dabeisein für alle Beteiligten viel viel wichtiger war. Deshalb durften wir uns aus der familiären Runde auch ausnahmsweise vor der Siegerehrung verabschieden…

Die Damensattel-Reiterinnen verabschieden sich

Die Damensattel-Reiterinnen verabschieden sich

… bis Ende August in Celle…!

Haflinger Portrait

Haflinger Portrait