Sternfahrt nach Neumünster

 

Blitz, Donner und Starkregen über Hamburg bescheren den Einsatzkräften einen stundenlangen Dauereinsatz. Nicht nur Feuerwehrleute kommen ins Schwitzen, auch Reisende leiden unter den Auswirkungen des Unwetters.

Überflutete Straßen und Keller, Flug- und Bahnausfälle – eine Gewitterfront mit Starkregen löste am Freitagabend einen Dauereinsatz der Hamburger Feuerwehr aus. «Wir hatten 118 wetterbedingte Einsätze – überwiegend wegen unter Wasser stehender Straßen und Keller», berichtete ein Feuerwehrsprecher am Samstag. Zeitweise seien zusätzlich zur Berufsfeuerwehr 32 Freiwillige Feuerwehren im Einsatz gewesen. Das Zentrum des Geschehens lag ihm zufolge im Nordosten der Hansestadt. Verletzte oder größere materielle Schäden gab es nach Angaben der Polizei zum Glück aber nicht.

Zwei Blitzeinschläge in den Stadtteilen Kirchwerder und Billstedt lösten Schwelbrände aus, die jedoch rasch gelöscht werden konnten. In Fuhlsbüttel ließen die starken Regenfälle ein Rückhaltebecken überlaufen. Das Wasser überflutete einige Kleingartenparzellen, berichtete der Feuerwehrsprecher.

Am Hamburger Flughafen mussten wegen des Unwetters 15 Abflüge und 14 Ankünfte von Maschinen gestrichen werden, teilte Flughafensprecherin Stefanie Harder am Samstag mit. 137 Flugreisende verbrachten die Nacht auf Feldbetten im Terminal des Flughafens. «Von den gestrichenen Abflügen waren rund 1500 Passagiere betroffen, die meisten sind aber wieder nach Hause gegangen oder haben in Hotels übernachtet», so Harder (O-Ton wetter.com).

Das geschah am Freitag, den 19. Mai – und am nächsten Tag wollten wir mit unserem Morgan zu den Klassiker-Tagen nach Neumünster in die nicht sehr spektakulären, eher dunklen Holstenhallen fahren. Zu dieser vorwiegend regionalen Oldtimermesse, die vom Umfang bei weitem nicht mit den Großevents in Essen oder Stuttgart zu vergleichen ist – und auch nicht mit der kleineren Bremen Classic Motorshow. Uns erwartete – sieht man einmal von Mirbach & Seemann ab – eine eher zufällig wirkende Ansammlung kleinerer Aussteller, kaum namhafte Anbieter. Daneben ein paar Markenclubs und die üblichen Verdächtigen wie ADAC, DEKRA, OCC & Konsorten. Einhellige Meinung von meiner Frau und mir, als am Vorabend der Abendhimmel von grellen Blitzen erhellt wurde: Lass uns lieber ausschlafen…

Aber erstens kommt es anders…

Erstens blinzelten unsere halb geöffneten Augenlider am kommenden Tag in einen fast blauen Himmel, und zweitens: unser Ausflug nach Neumünster sollte eine fröhliche Sternfahrt mit vielen unterschiedlichen Old- und Youngtimern werden.

Zeit für Benzingespräche

Zeit für Benzingespräche

Von acht Standorten zwischen Hamburg und Flensburg starteten die Teilnehmer nahezu zeitgleich gegen 10 Uhr vormittags. Unser Treffpunkt: das Mercedes-Benz Classic Center der Leseberg Automobile GmbH – eine der absolut ersten Adressen für Mercedes-Oldtimer in Norddeutschland. Dort gab es Kaffee und belegte Brötchen – wir hatten leider schon zuhause gefrühstückt, ein gut gefülltes „Goodie-Bag“ mit hervorragend ausgearbeitetem Roadbook,

Einarbeitung in das Roadbook

Einarbeitung in das Roadbook

Rallye-Schild, Aufklebern mit unserer Startnummer, eine großformatige (DEKRA)-Ölpappe, Freikarten für die Klassiker-Tage sowie ein paar nützliche Kleinigkeiten für die nächsten Touren.

Anbringen der Startnummer

Anbringen der Startnummer

Da wir bereits um 9 Uhr vor Ort waren, blieb genug Zeit für angeregte Benzingespräche.

Aufmerksam gemacht auf diese Veranstaltung wurden wir über die Oldtimer-Interessengemeinschaft „Blankeneser Benzingespräche“. Entsprechend viele „alte“ Bekannte gaben sich dann auch ein Stelldichein.

Einweisung durch die Organisatoren 2

Einweisung durch die Organisatoren 2

Wir suchten uns ein paar interessante Oldtimer, u.a. den Jaguar XK 140 und ein seltenes Hillman Drophead Coupé für unsere erste Fotosession aus und fuhren einfach hinterher.

Auf gehts

Auf gehts

Die Strecke war gut gewählt. Wer regelmäßig ins Roadbook blickte, der bekam auch die „Haken“ mit, die ab und zu geschlagen wurden.

Von dem gibt es nur 2 in Deutschland

Von dem gibt es nur 2 in Deutschland

Erstes Zwischenziel: der malerische Drosteiplatz in Pinneberg. Dort wurden die Wagen überaus fachkompetent vorgestellt.

Vorstellung am Drosteiplatz

Vorstellung am Drosteiplatz

Selbst unser „Fast-Neuwagen“ Morgan Plus 4. Irgendwie erinnerte uns die Stimme des kundigen Moderators an das Stadtpark-Revival, doch seinen Namen fanden wir bisher nicht heraus…

Ungefähr die Hälfte aller Teilnehmer traf sich zum zweiten Stopp am „Dodenhof“ in Kaltenkirchen.

Gaaanz weit vorn ist die Präsentation

Gaaanz weit vorn ist die Präsentation

Auch hier wurden die Autos einzeln vorgestellt und liebevoll beschrieben, diesmal von Stefan Voswinkel – seit 2016 neuer Autochef der BILD Zeitung.

Sympathisch und fachkundig

Sympathisch und fachkundig

Bei allem dargebotenen Fachwissen könnte er allerdings beim Thema „Morgan“ noch ein wenig nachlegen. Wir wären da auch gern behilflich… Was soll’s, Auto geparkt und ab in den dritten Stock des Möbelhauses, wo Erfrischungen auf uns warten sollten. Taten sie auch – wenngleich stark dezimiert, da wir recht spät dran waren.

Das merkten wir auch beim Eintreffen an den Holstenhallen.

Einweisung vor den Holstenhallen

Einweisung vor den Holstenhallen

Hier hatte die Württembergische Versicherung eine Rampe aufgebaut, auf der die Teams mit ihren Schätzchen zum dritten Mal einem zahlreich anwesenden Publikum vorgestellt werden sollten. Moderator Georg Meyering – ein ausgewiesener Oldtimerfreund und Experte, der auch die ersten vier Sternfahrten begleitete – hatte nach gefühlt mehr als 200 Preziosen sowie anderen teilnehmenden Automobilen augenscheinlich das dringende Bedürfnis nach einer Pause. In „so ungefähr einer Stunde“ sollte es weitergehen… Leider standen wir als viertes Fahrzeug in der Schlange vor der Rampe und erfuhren recht spät von der länger andauernden Unterbrechung.

Der größte Händlerstand auf der Messe

Der größte Händlerstand auf der Messe

Ein lokaler Restaurationsbetrieb

Ein lokaler Restaurationsbetrieb

Einer der wenigen Markenclubs

Einer der wenigen Markenclubs

Kurz entschlossen verzichteten wir auf unseren medienwirksamen Auftritt sowie die vom MSC Neumünster angebotene Gleichmäßigkeits-Prüfung und tauchten in die überschaubaren Hallen ein. Nach einer eher ereignislos verbrachten Stunde hatten wir alles gesehen und traten den Heimweg an.

Er hat brav gewartet

Er hat brav gewartet

Kurz hinter Neumünster fanden wir uns plötzlich am Auspuffrohr des Jaguar XK 150 wieder, dem wir noch ein kleines Stück auf unserem „Ritt in den Sonnuntergang“ folgten…

Zum Abschluss ein kleiner Exkurs von uns als bekennende Fußball-Fans: Rechtzeitig wieder zuhause, konnten wir abends noch den Jungs vom HSV die Daumen drücken, deren Klassenerhalt – inzwischen zum 4. Mal – auf der Kippe stand. Zu unserer Freude bestätigte die Elf von Markus Gisdol mal wieder ihren Nimbus der „Unabsteigbarkeit“.

Fazit: traumhaftes Sonnenwetter, sehr gute Organisation, schöne Strecke, interessante Gespräche – aber die Klassiker-Tage dürfen gern noch ein wenig an ihrer Attraktivität feilen…