Stadtpark-Revival 2014 – Le Mans in Hamburg. Ein Vergleich mit Le Mans – spinnen die Hamburger jetzt total? Die Hanseaten zeichnen sich sonst doch meist durch besondere Zurückhaltung und Understatement aus! Dieses Statement mussten wir aber formulieren. In diesem Jahr besuchten wir – wie bereits 2012 – beide Veranstaltungen: die Le Mans Classics und, für dem klassischen Motorsport zugeneigte Hamburger eine jährliche Selbstverständlichkeit, das Hamburger Stadtpark-Revival.

Natürlich wollen wir den alle zwei Jahre stattfindenden Le Mans Classics nicht den Status als führendes Event in der klassischen Rennsportszene absprechen. Ebenso selbstverständlich hinkt fast jeder Vergleich mit der eher vom Lokalkolorit geprägten Hamburger Veranstaltung. Aber es lohnt dennoch, beide Ereignisse einmal gegenüberzustellen und – wenn auch mit einem Augenzwinkern – den einen oder anderen Vergleich zu wagen:

Historie

Das Hamburger Stadtpark-Revival feiert heuer ein rundes Jubiläum. 1934 – also vor 80 Jahren – fand hier das erste Rennereignis statt. Mitten im Stadtgebiet im Stadtpark, der grünen Lunge Hamburgs. Beim Debüt war das Stadtparkrennen ein reines Motorrad-Event, das in vier Klassen ausgetragen wurde und als Lauf zur Deutschen Motorrad-Meisterschaft zählte. Das nächste Rennen wurde erst 1938 gefahren, mit je drei Klassen für Sportwagen und Motorräder. 1939 war die Veranstaltung von den Nationalsozialisten bereits als „Internationales Hamburger Stadtpark-Rennen für Motorräder und Sportwagen“ ausgeschrieben. Die Strecke wurde erweitert und an den beiden Renntagen kamen fast 200.000 Besucher. Nach dem 2. Weltkrieg gab es 1947 wieder Rennen, das vorerst letzte wurde 1952 gefahren. Dabei verlor ein Fahrer die Kontrolle über sein Gespann und riss drei Zuschauer mit in den Tod. Trotzdem wurde die Veranstaltung nicht abgebrochen, jedoch einige Jahrzehnte nicht fortgeführt.

Jaguar Recreation XJ13 von 1974

Jaguar Recreation XJ13 von 1974

Jaguar E-Type 1,5 2+2 Competition

Jaguar E-Type 1,5 2+2 Competition

Seit 1999 erlebt Hamburg wieder ein jährliches „Revival“ dieses Events, das heute als Gleichmäßigkeitsprüfung oder Demorennen für Motorräder, Oldtimer und Rennwagen bis Baujahr 1984 ausgeschrieben wird.

... seit Jahren nicht zu übersehen - der 1965er Karmann Ghia

… seit Jahren nicht zu übersehen – der 1965er Karmann Ghia

Die 24 Stunden von Le Mans existieren bereits seit 1923. Lediglich einmal – 1936 – wurden sie abgesagt, obwohl es auch in Mans einen dramatischen Unfall gab, bei dem 1955 der Franzose Pierre Levegh mit seinem Mercedes 300 SLR nach einer Kollision auf der Zielgeraden in die dortige Zuschauertribüne flog und 83 Menschen mit in den Tod riss. Die Le Mans Classics haben also ursprünglich eine nicht so lange Tradition wie das Stadtpark-Revival. Sie werden – in zweijährigem Rhythmus – seit 2002 erneut ausgetragen. Beide Veranstaltungen sind ausschließlich Rennsport-Wagen vorbehalten, wobei es in Le Mans für den Motorrad-Rennsport ein gesondertes Event gibt.

Streckenführung

Beide Rennsportveranstaltungen werden – in Le Mans zum großen Teil, in Hamburg ausschließlich – auf öffentlichen Straßen ausgetragen. Die Streckenlänge variiert sowohl in Le Mans, als auch in Hamburg. Aktuell – und das heißt in Le Mans seit immerhin 1932 – beträgt die Strecke auf dem Circuit de Sarthe 13,5 Kilometer. Die Streckenabschnitte und Kurven sind legendär: Dunlop-Kurve, Hunaudières-Gerade, Mulsanne, Virage D’Arnage… Der Stadtparkkurs mißt maximal 6,54 Kilometer. Seine Abschnitte sind natürlich nicht so legendär und deshalb nur Eingeweihten bekannt. Zurzeit wird auf einem 1,7 Kilometer langen Rundkurs gefahren.

Streckensäuberung nach Inkontinenz eines Wagens

Streckensäuberung nach Inkontinenz eines Wagens auf der langen Start-Tiel-Geraden

Eine Parallele gibt es aber doch noch: die lange Gerade, die sowohl in Le Mans als auch in Hamburg durch Schikanen entschärft wird.

Das „Drumherum“

Bei den Le Mans Classics herrscht Volksfeststimmung. Mehr als 100.000 Zuschauer säumen die Strecke und tummeln sich in den Paddocks. Mitglieder von 120 Markenclubs treffen sich auf ihren mittlerweile angestammten Plätzen rund um den Kurs und bilden eine Attraktion für sich. Ganze Zeltstädte bieten den Zuschauern Zerstreuung, leibliche Genüsse sowie zahlreiche Produkte rund um das Thema Motorsport und Mode feil.

Restaurant im Stadtpark-See

Restaurant im Stadtpark-See

Zum Rennwochenende in Hamburg pilgern ca. 25.000 Besucher – ohne das französiche Verkehrschaos, da das Gelände sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.

Einer der schönsten Stände war der von BMW Stüdemannn

Einer der schönsten Stände war der von BMW Stüdemannn

Die Zeltstadt neben dem Kurs ist etwas kleiner, aber es gibt auch hier einen veritablen Zubehör- und Teilemarkt und natürlich ausreichend Verpflegungsstände. Deutlicher Vorteil in Hamburg: Die Zuschauer stehen unmittelbar an der Strecke.

Verpflegungsstände gab es reichlich

Verpflegungsstände gab es reichlich

Die Rennklassen und Rennen

Bei den Le Mans Classics gibt es sechs Starterfelder, die jeweils auf maximal 75 Wagen beschränkt sind. Insgesamt drehen ca. 400 Piloten ihre Runden.

Wie immer boten die Seitenwagenläufe die spektakulärtsen Bilder

Wie immer boten die Seitenwagenläufe die spektakulärtsen Bilder

In Hamburg haben 2014 in den neun Wertungskategorien und Demoläufen  immerhin 145 Autos und 180 Motorräder teilgenommen.

Riley 12/4 Sports

Riley 12/4 Sports

Entscheidender Unterschied: in Le Mans werden richtige Rennen gefahren, bei denen der schnellste Fahrer gewinnt. Dementsprechend gibt es Trainings- und Wertungsläufe rund um die Uhr.

Wenn es Nacht wird in Le Mans

Wenn es Nacht wird in Le Mans

Die einzelnen Wertungsrennen dauern 45 bis 60 Minuten. In den nach Baujahren aufgeteilten Klassen werden am Ende eine sogenannte „Scratch-Wertung“ vorgenommen, bei der das schnellste Fahrzeug siegt, sowie eine „Performance-Wertung“, bei der Leistungsunterschiede über einen besonderen Performance-Index berücksichtigt werden. Näheres zum Austragungsmodus steht auch unter http://classic-cars-news.de/le-mans-classics-2014-die-rennen/.

Die Organisatoren des Stadtpark-Revivals gliedern in Demo- und Wertungsläufe. Demolauf bedeutet einfach freies Fahren, Spaß haben auf einer abgesperrten – wenn auch schmalen – Strecke, die Fahrzeuge artgerecht bewegen. Vier der neun Klassen starten ausschließlich in den Demoläufen.

Harte Positionskämpfe - auch bei den Demoläufen

Harte Positionskämpfe – auch bei den Demoläufen

Die anderen Klassen messen sich in den Wertungsläufen. Hierbei kommt es in erster Linie auf die Gleichmäßigkeit an. Die geforderten Rundenzeiten werden vorgegeben – bis Baujahr 1930 etwas länger, für jüngere Baujahre etwas kürzer.

Morgan Super Sports Threewheeler

Morgan Super Sports Threewheeler

Zwei der vier jeweils 10-12minütigen Rennen gehen in die Wertung ein. Sieger ist, wer in den beiden Wertungsläufen die geringste Abweichung von der Sollzeit erreicht.

... schnell, schneller, Dreher

… schnell, schneller, Dreher

Rennfahrerlegenden

In Le Mans sind sie selbst mit am Start und kämpfen im Feld der Amateur- und Profirennställe um Siege und Pokale, in Hamburg findet man sie aber auch. 2014 gab sich Sir Stirling Moss die Ehre.

Rallyelegenden zum Anfassen

Rallyelegenden zum Anfassen

Mit dabei waren auch Rallyeweltmeister Walter Röhrl sowie sein langjähriger Co-Pilot Christian Geistdörfer, Klaus-Joachim „Jochi“ Kleint, Harald Demuth und der dreifache Le Mans Sieger Rinaldo „Dindo“ Capello (2003, 2004, 2008). Sie sind entweder auf der Strecke zu bewundern oder geben bereitwillig Autogrammstunden. Besonders spektakulär waren auch diesmal wieder die Auftritte des mehrfachen Speedway- und Langbahn-Weltmeisters Egon Müller.

Spektakuläre Einlage von Egon Müller

Spektakuläre Einlage von Egon Müller

Seine 785 Rennsiege feierte er zwar in den 70er und 80er Jahren, aber selbst 2014 – mit 65 Jahren – begeisterte er mit seinen Fahrkünsten die Zuschauer.

Sponsoren- und Sonderläufe

Sonderlauf Audi

… sind sowohl in Le Mans als auch beim Stadtpark-Rennen fester Bestandteil des Programms. Die schnellsten Läufe waren dabei in Hamburg sicher die Audi-Sonderläufe mit dem Audi A2 Rallye Quattro sowie dem 720 PS starken Audi 90 Quattro IMSA GTO, der vor 25 Jahren in der nordamerikanischen IMSA-Rennserie zum Einsatz kam.

Vorbereitung auf den Einsatz im Zelt des Automuseums Prototyp

Vorbereitung auf den Einsatz im Zelt des Automuseums Prototyp

Das Automuseum Prototyp (http://classic-cars-news.de/klassiker-der-speicherstadtdas-automuseum-prototyp/) präsentiert seine Schätze nicht nur im Museum und dem großen Zelt am Rande des Fahrerlagers, sondern zeigt sie auch auf der Strecke: sowohl in den Läufen als auch auf Demo-Runden.

Der Berlin-Rom-Wagen des Automuseum Prototyp

Der Berlin-Rom-Wagen des Automuseum Prototyp

Darunter sogar den legendären Porsche Typ 64 Berlin-Rom-Wagen. Alle Sponsoren mit ihren Fahrzeugen hier aufzuführen, würde leider den Textrahmen sprengen und den geneigten Leser langweilen, doch natürlich darf ich als überzeugter Morgan-Fahrer den neuen Morgan Plus 8 Speedster und den Threewheeler nicht unerwähnt lassen.

Der neue Morgan Plus 8 Speedster

Der neue Morgan Plus 8 Speedster

... da kam der Three-Wheeler nicht ganz mit

… da kam der Three-Wheeler nicht ganz mit

Der Hamburger Motorsportclub zeigte sich mit allen Facetten einschließlich seiner engagierten Jugendarbeit und ein dänischer Packard-Club nutzte anlässlich einer Deutschlandreise den Zwischenstopp in Hamburg um – begleitet von deutschen Clubfreunden – die zu ihrer Zeit technisch wegweisenden Wagen auf dem Kurs vorzuführen.

Der Packard Club vor dem Wasserturm

Der Packard Club vor dem Wasserturm

Unter anderem waren in einem Packard der erste V12-Zylinder oder die erste Klimaanlage verbaut. Packard behauptete übrigens in seiner Blütezeit, die besten Automobile der Welt zu bauen, war aber natürlich nicht der einzige Hersteller von Luxuskarossen mit dieser Aussage.

Fazit

… des Artikels: Stadtpark-Revival 2014 – Le Mans in Hamburg: Die Le Mans Classics sind nicht zu toppen, aber Hamburg hat mit dem Stadtpark-Revival ein klassisches Rennsportereignis „zum Anfassen“.

Ford Mustang von 1969

Nirgendwo ist man so nah am Geschehen, kann gemütlich durch die Boxengasse schlendern, kommt so einfach mit den Fahrern ins Gespräch, sieht echte Rennsportlegenden in Aktion oder hört sie im Interview an der Strecke. Es gibt keine Barrieren und Absperrungen – außer an der Strecke – und die Eintrittspreise sind mit 15 € für die Tageskarte moderat. Ein Muss für alle Oldtimerfreunde – zumindest in Norddeutschland.

Die Hamburger Stadtpark-Revivals 2014

Die Hamburger Stadtpark-Revivals 2014

Hein Schlüter, ein von uns sehr geschätzter Kollege, hat die Dokumentation der Historie dieser Veranstaltung übernommen. Sein Buch „Die Hamburger Stadtpark-Revivals“ wurde in diesem Jahr neu aufgelegt und ist für 24,90 € direkt beim Verlag zu beziehen: http://www.edition-stadtpark.de/

Die Sieger

Die gab es zu gewinnen

Die gab es zu gewinnen

Der Sieger in der Porsche-Klasse - Volker Weber

Der Sieger in der Porsche-Klasse – Volker Weber

Ach ja – Sieger und Pokale gab es natürlich auch. In insgesamt fünf Klassen standen auf dem Podium:

Ergebnisse Stadtpark Revival 2014