Rallye Historique auf Schloss Bensberg und „Very important cars only“ versprachen die großformatigen Plakate, die „im Bergischen“ rund um das Städtchen Bensberg aufgehängt waren. Zum 6. Mal lud Thomas Althoff – Hotelier und Gastgeber – zu den Schloss Bensberg Classics. Alles war auf das Feinste gerichtet: das Schloss erstrahlte in festlichem Glanz wärmender Sonnenstrahlen, der grüne Naturteppich war ausgelegt, die Rampe vor dem Hotel aufgebaut, Liegestühle platziert, Blumenschmuck soweit das Auge blickte fein dekoriert, die Stände der Gourmet-Meile für das hungrige und durstige Publikum geöffnet und natürlich VIP-Bereiche für die Teilnehmer und andere illustre Gäste abgesteckt.

Schloss Bensberg vor dem Rallyestart

Schloss Bensberg vor dem Rallyestart

Samstag, der 19. Juli, war noch jung, als wir uns mit unserem „Media-Morgan“ dem Schloss näherten, um die traditionelle Rallye Historique von Schloss Bensberg aus ins Bergische Land zu begleiten. Die Sonne strahlte bereits am Himmel und die Vorfreude auf die VIC’s, die „Very Important Cars“, hätte kaum größer sein können. Als erstes Event stand für uns nach Würdigung der Örtlichkeiten die Rallye auf dem Programm. Noch versteckten sich die 116 gemeldeten Oldtimer auf den Parkplätzen hinter dem Schloss.

Zur Ansicht freigegeben - die Teilnehmer der Rallye Historique im Schlosshof

Zur Ansicht freigegeben – die Teilnehmer der Rallye Historique im Schlosshof

Der neugierige Besucher musste sie schon suchen, aber die teils großformatigen Preziosen ließen sich natürlich nicht lange verbergen. Es war wieder einmal ein wirklich auserlesenes Feld voller Raritäten und Unikate, das dem „Concours d‘ Élégance“ des folgenden Tages zur Ehre gereicht hätte. Was durchaus wörtlich zu nehmen war, denn tatsächlich fanden  wir einige der Rallyeteilnehmer tags darauf im Schlosshof wieder – den Rallyestaub entfernt, nach einer Regennacht aufpoliert für etliche Tausend Zuschauer und natürlich die gestrengen Augen der Jury. Hier einzelne Fahrzeuge aufzuzählen, würde allerdings den nicht genannten Teilnehmern nicht gerecht werden.

Seltener Anblick - der 1937er Skoda Popular Monte Carlo Sport 909 Coupé

Seltener Anblick – der 1937er Skoda Popular Monte Carlo Sport 909 Coupé

Dennoch, ein Oldtimer stach für mich persönlich heraus, da ich ihn noch nie vorher gesehen hatte. Von vorn erinnerte er an einen Fiat Otto Vu und als ich einen Kollegen fragte, tippte auch er darauf. Aber was stimmte nicht? Von hinten trug er eine Finne wie der Bugatti 57 SC Atlantic. Der Wagen war ebenfalls schwarz, aber deutlich kleiner. Die feine, polierte Kühlerfigur wies ihn schließlich als „Skoda“ aus, genauer als einen Skoda Popular Monte Carlo Sport 909 Coupé, der von 1936 bis 1938 gebaut wurde.

Die Teilnehmer rollen zur Startrampe

Die Teilnehmer rollen zur Startrampe

Familie Wurth im Riley TT Sprite Special

Familie Wurth im Riley TT Sprite Special

Aber ob Skoda, Bugatti, Invicta, Riley oder Horch – die Teilnehmer erwartete ein spannender Rallyetag. Die zwei Rundfahrt-Schleifen über bergische Hügel und traumhafte Landschaften auf kleinen, einsamen Sträßchen waren durch ein Mittagessen auf dem ebenfalls zur Althof-Hotelgruppe gehörende Schloss Lerbach verbunden. Unterwegs sollten neun Gleichmäßigkeits-Wertungsprüfungen und zwei „Gymkhana Wertungen“ absolviert werden. Den Lesern, für die der Begriff fremd klingt, erläutert Wikipedia einen wahrscheinlich hinduistischen Ursprung: Es soll sich dabei um Geschicklichkeitsprüfungen handeln, die nicht zwingend mit dem eigenen Wagen absolviert werden müssen. Eine der Übungen bestand auf unserer Veranstaltung darin, das Fahrzeug mit beidseits identischem Abstand  zwischen zwei Pylonen zu platzieren. Für die zweite Prüfung sollten sich die Teilnehmer in ein Kettcar zwängen, dessen Lenkung falsch herum funktionierte. Fahren Sie damit mal einen korrekten Parcours!

Eine Ausgenweide - der Skoda Popular Monte Carlo Sport 909 Coupé

Eine Ausgenweide – der Skoda Popular Monte Carlo Sport 909 Coupé

Zunächst startete die Vorhut zur Inspektion der Strecke – Thomas Althoff in seinem schwarzen Käfer Cabriolet mit der Startnummer 0.

Die Vorjahressieger mit der Startnummer 1

Die Vorjahressieger mit der Startnummer 1

Um 10:30 Uhr rollte pünktlich das erste Team von der Rampe – unter Startnummer 1 die Vorjahressieger Christian und Edith Kramer mit ihrem Mercedes 300 SL Coupé. Direkt dahinter reihten sich die nächsten Teilnehmer auf und wurden im Minutenabstand abgewunken. So auch mit Startnummer 17 Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck in seinem Brezel-Käfer Baujahr 1951.

Ein letztes Lächeln für die Kameras - Hans-Joachim Stuck vor dem Start

Ein letztes Lächeln für die Kameras – Hans-Joachim Stuck vor dem Start

Nach Verlassen des Schlosshofes forderte das Roadbook ein Abbiegen nach links und direkt zur ersten Wertungsprüfung. Es galt, 80 Meter Strecke in möglichst genau 15,0 Sekunden zurückzulegen. Die Teams, die nicht in der „Sanduhr-Klasse“ starteten, durften ihren Rallye-Computer befragen, der dafür eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 19,2 km/h errechnet. Der Rest ist für alle  Teamarbeit, gleichmäßiges Herunterzählen durch den Beifahrer und gutes Augenmaß für den Punkt des Autos, der jeweils die Lichtschranke auslöst.

Nur ein Strafpunkt bei der ersten Wertungsprüfung für das Team Schleicher - Schmitt

Nur ein Strafpunkt bei der ersten Wertungsprüfung für das Team Schleicher – Schmitt

Am besten bewältigt wurde die Aufgabe von Startnummer 90, Gotthard Schleicher mit Beifahrerin Maria Schmitt in ihrem Alfa Romeo 1750 GTV. Für sie „hagelte“ es einen Strafpunkt für 1/100stel Sekunde Abweichung! Immerhin acht Teams erreichten dabei die Höchstpunktzahl von 500 Strafpunkten. Diese Teams werden aus „Pietätsgründen“ natürlich nicht genannt. An dieser Stelle sei aber auf einen Link des Veranstalters verwiesen: http://www.sbc2013.de/rallye_historique/sieger_rallye_historique_2014.html

Der schöne Hintern des 66er E-Type OTS

Der schöne Hintern des 66er E-Type OTS

Derlei Aufgaben gab es fünf auf der Vormittagsschleife plus einer Gymkhana-Prüfung.

Das Siegerteam des Wochenendes - Ralf Ehlen und Heike Köppel räumten 3 Preise ab

Das Siegerteam des Wochenendes – Ralf Ehlen und Heike Köppel räumten 3 Preise ab

Hans-Joachim Stuck in voller Fahrt

Hans-Joachim Stuck in voller Fahrt

Bis zum Mittagessen warteten 75,8 Kilometer Strecke auf die Teilnehmer, die in – ideal – 2 Stunden und 15 Minuten zu bewältigen waren. Sprich – um 12:45 Uhr sollte der erste Wagen den Parkplatz von Schloss Lerbach erreichen. Eine Stunde Mittagsrast vor der malerischen Schloßkulisse war den Teilnehmern zugestanden worden. Eine Stunde, um dem „Rallye-Stress“ zu entfliehen und es sich liebevoll bewirtet sowie „sonnenbeschirmt“ gut gehen zu lassen.

Familie Kramer im 300 SL vor der nächsten Sonderprüfung

Familie Kramer im 300 SL vor der nächsten Sonderprüfung

Die sonnenbeschirmte Terrasse von Schloss Lerbach

Die sonnenbeschirmte Terrasse von Schloss Lerbach

Pause vorbei - gleich gehts weiter

Pause vorbei – gleich gehts weiter

Für uns Fotografen gab es natürlich keine Mittagspause… Denn nach dem Buxtehuder Prinzip von „Hase und Igel – Ich bin schon da“ fuhren wir mit unserem Morgan abschnittweise inmitten der Teilnehmer oder kürzten an anderer Stelle die Strecke ab, um möglichst vielen Oldtimern „auflauern“ zu können.

Sie zählten sicher zu den schnellsten - der Lamborghini Miura

Sie zählten sicher zu den schnellsten – der Lamborghini Miura

Ein altbewährtes Prinzip – verknüpft mit dem Nachteil, dass wir auf Schloss Lerbach lediglich Zeit für ein paar schnelle Fotos hatten, um dann mit den ersten Teams in die zweite Schleife von 111,6 Kilometern zu gehen.

Familie Wettke im 300 SL Roadster

Familie Wettke im 300 SL Roadster

Die Sieger ihrer Sanduhrklasse und dritter im Gesamtklassement

Die Sieger ihrer Sanduhrklasse und dritter im Gesamtklassement

Die Nachmittagsrunde sollte in maximal 3 Stunden bewältigt werden, was einer etwas höheren Durchschnittsgeschwindigkeit von 37,2 km/h als am Vormittag entsprach.

Skeptischer Blick ins Roadbook - aber der Weg stimmt

Skeptischer Blick ins Roadbook – aber der Weg stimmt

Familie Feltes im Bugatti 35 T

Familie Feltes im Bugatti 35 T

Rechts abbiegen zur zweiten Runde - Familie Wurth im Riley TT Sprite Special

Rechts abbiegen zur zweiten Runde – Familie Wurth im Riley TT Sprite Special

Die Sieger der Gesamtwertung - Familie Steffens im Jensen 541 S

Die Sieger der Gesamtwertung – Familie Steffens im Jensen 541 S

Mit dem 1930er Aston Martin International ins Bergische Land

Mit dem 1930er Aston Martin International ins Bergische Land

Neben den fehlenden vier Gleichmäßigkeitsprüfungen wartete in Hückeswagen wieder die Gymkhana-Prüfung. Wenn kein kleiner Umweg gefahren werden musste, war die Strecke gut zu schaffen.

Zielankunft - die letzte Wertung

Zielankunft – die letzte Wertung

Immer wieder eine Augenweide - die klassischen Proportionen eines BMW 507

Immer wieder eine Augenweide – die klassischen Proportionen eines BMW 507

Ab 16:45 Uhr wurden die Teilnehmer auf Schloss Bensberg zum letzten und sicherlich schönsten Programmpunkt zurück erwartet: Einfahrt in den Schlosshof unter dem Jubel der zahlreichen Zuschauer. Letzte Zeitnahme; eine „Ehrenrunde“ über die Rampe, bei der die Piloten mit ihren Fahrzeugen in der Sonne glänzen konnten und vom gutgelaunten Moderator vorgestellt wurden.

Champagner für alle Teilnehmer bei der Ankunft - Familie Kreuder im 300 SL

Champagner für alle Teilnehmer bei der Ankunft – Familie Kreuder im 300 SL

Zur Ankunft ein Glas gut gekühlten Sponsoren-Champagner für die Rallye-Crew, und dann fuhren sie wieder auf ihren angestammten Parkplatz hinter dem Schloss.

Für die Teams, die tags darauf am Concours d‘ Elegance teilnehmen wollten, folgte dann als zusätzlicher Programmpunkt vor dem Gesellschaftsabend die Herrichtung des Fahrzeugs.

Sie nahmen auch am Concours d´ Elegance teil und hatten die weiteste Anreise

Sie nahmen auch am Concours d´ Elegance teil und hatten die weiteste Anreise

Zum Glück hatte das gute Wetter dazu beigetragen, die Schmutzschicht auf den Wagen überschaubar zu halten. Doch wer weiß, wie ein „Concours-Zustand“ auszusehen hat, kann ermessen, wieviel Arbeit tatsächlich darin steckt…  Während die übrigen Rallye-Teilnehmer sich entspannt zurücklehnen und den Tag ausklingen lassen konnten, die Ergebnisse wurden sowieso nicht vor 22:00 Uhr erwartet.

Am Sonntag Vormittag um 11:30 Uhr (ct) wurde nach der offiziellen Begrüßung aller Teilnehmer und Gäste durch Landrat Dr. Herman-Josef Tebroke endlich die Siegerehrung angemessen zelebriert – der Schlußpunkt der Rallye.

Das Lächeln der Gesamtsieger der Rallye Historique

Das Lächeln der Gesamtsieger der Rallye Historique

Gesamtsieger wurden mit Startnummer 48 Klaus und Karin Steffens mit ihrem 1960er Jensen 541S Coupé. Sie lagen mit 178 Strafpunkten knapp vor dem Team Schleicher/Schmitt, das in der ersten Wertungsprüfung brillierte.

Die Drittplatzierten der Gesamtwertung trotz Sanduhr - Familie Hahn im Alpin A 110

Die Drittplatzierten der Gesamtwertung trotz Sanduhr – Familie Hahn im Alpin A 110

Das Podium komplettierten mit Startnummer 83 Hans-Ullrich und Marie-Therese Hahn mit ihrem Alpin A110 1600 S. Der Chronistenpflicht genügend, sind nachfolgend die jeweiligen Klassensieger aufgeführt.

Ergebnisse-Rallye-Historique-2014

Die Krönung eines besonderen Wochenendes erlebten dabei Ralf Ehlen und Heike Köppel: Sie nahmen zum ersten Mal an dieser Veranstaltung teil und wurden mit ihrem wunderschönen dunkelroten Porsche 356 Pre A Speedster nicht nur bei der Rallye Dritte in ihrer Klasse, sondern auch zweifacher Klassensieger auf dem Concours d‘ Élégance. Wobei sie sich besonders über den Pokal „Best of Show by Public“ freuen konnten, den Publikumspreis für das schönste Auto aller Klassen! Dafür kann man gern mal für Reinigungsarbeiten um 5 Uhr aufstehen…

Ein letzter Blick zurück - die Rallye ist vorbei

Ein letzter Blick zurück – die Rallye ist vorbei