Wer in diesem Jahr im Programm der „Classic Days Schloß Dyck“ etwas über den Auftritt der Markenclubs lesen will, muss ganz schön lange blättern. Immerhin auf Seite 130 (von 138) wird man aber doch fündig. Obwohl im Programm weit hinten angesiedelt, sind die Veranstalter doch ein klein wenig stolz darauf, was sich auf dem „Dycker Feld“ – hieß es nicht früher „Miscanthus Feld“? – so abspielt.

Parkschein für die Schlossallee

Parkschein für die Schlossallee

„Bis zu 7.000 Besucher-Oldtimer parken auf dem Dycker Feld und bilden drei Tage lang Europas größtes Open-Air-Museum für historische Fahrzeuge“ heißt es dort auf Seite 130. Na ja, hauptsächlich am Samstag, wenn dort wirklich die Post abgeht. 52 Clubs und Interessengemeinschaften hatten sich angemeldet – davon allein vier, die sich um die Marke „Lotus“ drehen. Ihre Stände, besser gesagt Parkflächen, lagen an der „Bertha-Benz-Allee“, am „Klosterweg“ oder „Brückenweg“.

Morgan Club Deutschland beim Aufbau

Morgan Club Deutschland beim Aufbau

Früh am Morgen durften wir uns in eine lange Schlange einreihen, die durch die „Schlossallee“ kroch. „Rushhour“ am Samstagvormittag… Vorbei an den MG’s, den Lotus, dem Corvette Forum, den Japan Classic Freunden, dem BMW Z1 Club…; dann beim BMW Coupé Club links abbiegen in eine Stichstraße, am BMW 02 Club vorbei und in Höhe des Mercedes Benz S-Klasse Clubs linkerhand einsortieren auf dem Parkplatz des Morgan Club Deutschland.

Der A 46-Stammtisch hat ein Zelt mitgebracht

Der A 46-Stammtisch hat ein Zelt mitgebracht

Dort herrschte auf dem sich stetig füllenden Abschnitt fast schon Parkplatznot, aber wir fanden doch noch ein Plätzchen für unsere beiden Morgan. Tja – wenn man im dichten Verkehr stecken bleibt, kann es ungewollt mal was später werden…

Auch ein Morgan kann familientauglich sein

Auch ein Morgan kann familientauglich sein

Für uns hieß es nach der Ankunft sofort: ab ins Pressezentrum; für die anderen erst einmal Zelt aufbauen, Stühle raus, alles klarmachen fürs Picknick. Der Morgan Club Deutschland teilte sich den Platz mit dem „Morgan A 46“-Stammtisch Niederrhein, sodass insgesamt stolze 60 Morgan zu bewundern waren.

Katzenliebhaber unter sich

Katzenliebhaber unter sich

Wir hatten uns vorgenommen, diesmal möglichst viele andere Markenclubs zu besuchen. Für uns einer der Höhepunkte des Wochenendes. Benzingespräche unter Gleichgesinnten, Erfahrungen austauschen. Das wollten auch viele tausend Besucher. Wenn man sich erst einmal auf den weiten Weg von der „Schwarznusswiese“ oder der „Museumsinsel“ zum „Dycker Feld“ gemacht hatte, wurde man nicht enttäuscht: dutzende von Autos der persönlichen Lieblingsmarken standen sorgfältig aufgereiht, stets betreut und erklärt von einem kompetenten Ansprechpartner – sei es, um technische Fragen zu erörtern, über bestimmte Fahrzeuge zu sprechen oder sich über die Clubs zu informieren. Oder der Bewunderer ergötzte sich einfach am sich bietenden Anblick: Tausende von wahren Oldies und Klassikern nahezu aller Marken. Den Vorsatz, über „die Markenclubs“ zu schreiben, konnte ich übrigens sofort vergessen. Dazu waren es schlicht zu viele, vor allem für ein Zeitbudget von lediglich einigen Stunden. Also – als überzeugter Morgan Fahrer: Beschränkung auf die Clubs, die die englischen Marken repräsentieren. Aber selbst das konnte ich angesichts der großen Zahl „knicken“. Deshalb habe ich mich einfach an der Schlossallee „entlanggehangelt“ und die dort vertretenen Clubs besucht.

Die Aufnahme war überall herzlich, ein kompetenter Ansprechpartner schnell gefunden und Autos gab es in Hülle und Fülle zu bestaunen. Erster Club war der

MG in Hülle und Fülle

MG in Hülle und Fülle

MG Drivers Club
Mit 1.000 eingetragenen Mitgliedern ist er vergleichbar mit dem Morgan Club Deutschland. Regionale Stammtische werden organisiert, Ausfahrten veranstaltet, für MG-Neulinge gibt es Kaufberatungen, für alle Member technische Unterstützung und eine Clubzeitschrift. Gleich daneben befand sich der

MG vom MG Car Club

MG vom MG Car Club

MG Car Club
Gegründet 1970 und damit ältester MG Club Deutschlands. Auch dieser Club hat ca. 1.000 Mitglieder; veranstaltet Ausfahrten, ein großes Pfingsttreffen, Stammtische… Großer Wert wird auf technische Beratung gelegt und zu technischen Themen werden sogar Workshops abgehalten.

Innerhalb des Clubs stehen außerdem Typenexperten mit Rat und Tat zur Seite. Ach ja, eine Zeitschrift haben sie auch. Sie erscheint viermal pro Jahr.

MG Fahrer in passender Garderobe

MG Fahrer in passender Garderobe

TVR in Reih und Glied

TVR in Reih und Glied

TVR Car Club Deutschland e.V.
Das e.V. ist dabei neu – erst Anfang 2015 im Vereinsregister eingetragen, obwohl der Club seit 1979 existiert. Durch diesen Eintrag sank die Zahl der Mitglieder zunächst auf 130, weil sich alle Altmitglieder neu im Verein anmelden mussten. Sechs Sektionen organisieren örtliche Veranstaltungen.

Stand auch bei den TVR

Stand auch bei den TVR

Zu den Stammtischen kommen jeweils 20 bis 25 Autos. Die Classic Days gehören zu den Hauptevents, genauso wie der „AvD Oldtimer Grand Prix“ auf dem Nürburgring eine Woche später. Wegen der zahlreichen technikaffinen Mitglieder ist auch beim TVR Car Club die technische Beratung weit oben angesiedelt…

100 Jaguar hatten sich angemeldet

100 Jaguar hatten sich angemeldet

Jaguar Association Germany
Die JAG mit 1.700 Mitgliedern in 17 Sektionen existiert seit 35 Jahren. Zu den Classic Days erschienen 100 Fahrzeuge, wobei leider aus Platzmangel nicht alle Anfragen berücksichtigt werden konnten.

Ein wunderschöner E-Type als Blickfang

Ein wunderschöner E-Type als Blickfang

Auch von innen in einem perfekten Zustand

Auch von innen in einem perfekten Zustand

Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist der Besitz eines Jaguar – egal, ob es sich dabei um einen Klassiker oder Neuwagen handelt.

Nur Super 7 und Caterham Fahrer sind geduldet

Nur Super 7 und Caterham Fahrer sind geduldet

Lotus 7 Club Deutschland
Seit 58 Jahren gibt es diesen kompromisslosen Renner, der – wie kein anderes Auto – die Philosophie seines genialen Konstrukteurs Colin Chapman verkörpert. Der Club lebt diese Philosophie weiter und nimmt nur Mitglieder auf, die entweder einen originalen Lotus Super Seven fahren oder dessen – in ihren Augen einzig legitimen – Nachfolger, den Caterham.

Super 7 von vorn

Super 7 von vorn

Der puristische Innenraum des Super 7

Der puristische Innenraum des Super 7

Fahrer von Derivaten wie Donkerfoort, Westfield oder gar Irmscher sind unerwünscht. Die Seven IG, aus der sich dieser Club abgespalten hat, hatte sich auch anderen Seven Nachbauten, die es auf der Welt zuhauf gibt – sei es als Bausatz oder fertiges Modell, geöffnet. Sogar Fahrer eines Smart Roadster konnten Mitglied werden.

Ein ganz besonderer Super 7

Ein ganz besonderer Super 7

Das war den Traditionalisten im Club dann doch zu liberal und so entschloss man sich 2006, einen eigenen Club zu gründen: den „Caterham Car Club Deutschland“, der jetzt „Lotus 7 Club Deutschland“ heißt und der reinen Lehre im Sinne Colin Chapmans frönt.

Neue und klassische Lotus einträchtig nebeneinander

Neue und klassische Lotus einträchtig nebeneinander

Lotus Club Deutschland e.V.
Ähnlich wie bei Morgan, gibt es in Deutschland ca. 2.000 zugelassene Lotus. Der Club existiert laut Aussage anwesender Mitglieder seit 1946 – was eigentlich nicht sein kann, da Colin Chapman erst 1952 seine Firma „Lotus Engineering“ gründete. Sei´s drum, heute zählt er ca. 230 Mitglieder und ist offen für Modelle aller Jahrgänge.

Lotus Europa im John Player Special Design

Lotus Europa im John Player Special Design

Was im Falle Lotus kein Problem darstellt, da alle Wagen kompromisslose Sportflitzer sind. So verwundert es nicht, dass neben Stammtischen und Ausfahrten auch „freies Fahren“ auf Rennstrecken als beliebter Zeitvertreib der Lotus Freunde gilt.

Ein wunderschönes Morgan Drophead Coupé

Ein wunderschönes Morgan Drophead Coupé

Instrumentierung des Drophead Coupé

Instrumentierung des Drophead Coupé

Ein Blick zur Uhr und die große Zahl derjenigen, die bereits den Heimweg antreten, gemahnten auch uns zum Aufbruch. So bleiben viele Clubs diesmal leider unerwähnt. Dabei hatte ich mir so viel vorgenommen, aber vielleicht treffen wir uns im nächsten Jahr wieder…

Zurück zum Morgan Club; Zelt abbauen; Picknicktische sowie Klappstühle zusammenlegen und verstauen. Dann hieß es: Abschied nehmen von den Markenclubs und den meisten Morgan Freunden. Traditionell ist auf dem Dycker Feld sonntags deutlich weniger los, denn die Classic Days bieten darüber hinaus schließlich noch jede Menge interessanter Programmpunkte. Doch erst einmal reihten wir uns geduldig in die Schlange der Heimfahrenden ein. Rushhour gibt es halt mancherorts auch nachmittags.