Opel GT - Der Vorgänger

Opel GT – Der Vorgänger

 

Was eint einen Opel GT, eine Alfa Giulia und einen Fiat 124 Spider? Zu ihrer Zeit galten sie alle als Design-Ikonen, waren aber in den 70er Jahren gleichzeitig als potenzielle Autos in meinen persönlichen Fokus gerückt – natürlich als günstige Gebrauchtwagen! Besessen habe ich keinen von ihnen. Doch ich war nahe daran… Statt des Fiat 124 Spider erwarb ich seinen Vorgänger, den Fiat 1500 Spider. Und später einen Alfa Rundheck-Spider – den direkten Wettbewerber des 124. Er war gebraucht damals schlichtweg günstiger. Statt der Alfa Giulia nannte ich als ersten Alfa Romeo überhaupt den Alfa Berlina mein Eigen. Damals das modernere und sogar etwas größere Fahrzeug. Und der Opel GT? Er sah ja absolut scharf aus – mit seinem „Coke Bottle Design“, so als kleine Corvette. Einer meiner Freunde war stolzer Besitzer. Allerdings hatte ich trotz des durchaus erschwinglichen Gebrauchtwagen-Preises und aller Bewunderung für seine sexy Rundungen doch einige Vernunftgründe gegen ihn in petto: den fehlenden Kofferraum und meine Körperlänge von 194 cm.

Warum erzähle ich Euch das? Auf der Techno Classica 2016 tauchten sie plötzlich wieder aus der Versenkung auf. Kein Wunder, das ist ja schließlich eine Oldtimer Messe… Aber nein: so richtig als Neuwagen inmitten ihrer Urahnen! Und nicht nur sie! Insgesamt wurden neun Deutschlandpremieren gefeiert, die allesamt inmitten ihrer Vor-, Vorvor- oder Vorvorvorgänger im Rampenlicht standen.

Opel GT - eine Design-Ikone

Opel GT – eine Design-Ikone

Opel GT

Fangen wir mal mit dem Opel GT an. Erste Gespräche über ein solches Auto gab es bei Opel schon 1962. Ein richtig attraktiver Sportwagen sollte er werden, gute Fahrleistungen zeigen – und dennoch bezahlbar bleiben. 1965 schlug auf der IAA in Frankfurt die damals „Experimental GT“ genannte Designstudie derart ein wie eine Bombe, dass die Verantwortlichen bei Opel gar nicht anders konnten, als ihn zu bauen.

Die Design-Studie auf der IAA 1965

Die Design-Studie auf der IAA 1965

Maßgeblich für die Entscheidung war dabei auch der zu erwartende Imagegewinn für die bis dato als etwas bieder eingestufte Automarke. Drei Jahre später – 1968 – der große Tag: Der Serien GT wurde vorgestellt. Und er schlug gestalterisch die Design-Studie um Längen!

Der Innenraum des Opel Experimental GT

Der Innenraum des Opel Experimental GT

Die Serie sah harmonischer aus

Die Serie sah harmonischer aus

Das kürzere Heck sah wesentlich harmonischer aus und die Innenausstattung deutlich attraktiver als bei der Studie. Ausgestattet mit einem 1,9 Liter Motor aus dem Opel Rekord C, leistete er stolze 90 PS und verhalf der deutschen „Mini-Corvette“ immerhin zu einer Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h. Die „Billig-Variante“ mit einem 1,1 Liter Kadett B-Motor und knappen 60 PS reichte gerade für 155 km/h und war somit nicht wirklich ernst zu nehmen.

Sportlichkeit auch im Innenraum

Sportlichkeit auch im Innenraum

Sie wurde nach 2 Jahren wieder eingestellt und durch den spartanischen GT/J ersetzt. Der gelang auch nicht wesentlich besser – nach fünf Produktionsjahren und 103.463 Exemplaren war 1973 Schluss. Ein wirklicher Erbe tauchte nicht auf, schon gar nicht die Roadster-Derivate amerikanischer Billigautos gleichen Namens oder der Nachfolger des Opel Speedster.

Bis heute, oder besser bis 2016. Der neue Opel GT Concept steht auf der Techno Classica umringt von seinen Ahnen, die es immerhin zu einem echten Kultauto geschafft haben. Er soll kein Retro-Mobil sein, sondern eine zeitgemäße Neuinterpretation. Anklänge zum Vorläufer gibt es reichlich: die Proportionen der Karosserie mit der langen Motorhaube; die großen Türen, die weit in das Dach hineinreichen; der Doppelauspuff; der Verzicht auf eine Kofferraumklappe…

Puristisches Innenraumdesign

Puristisches Innenraumdesign

Eine puristische Fahrmaschine modernster Prägung. Das Antriebsaggregat: aktuelles Downsizing mit einem 3-Zylinder; 1,0 Liter Motor, der aber zeitgemäße 145 PS leistet und seine Kraft über ein sequenzielles 6-Gang-Getriebe auf die Hinterachse überträgt. Gewicht: unter 1.000 kg. Das reicht für eine Beschleunigung von 0 auf 100 in weniger als 8 Sekunden und eine Spitze von 215 km/h. Und das auf einem bezahlbaren Preisniveau von vielleicht (geschätzt) 35 T€. Das wäre doch was…

Natürlich ist noch nicht definiert, was von solch einer Studie in die Serie übernommen wird. Die strömungsgünstigen Kameras statt der Außenspiegel? Die roten Reifen an den Vorderrädern? Der Übergang der Frontscheibe bis weit ins Dach hinein? Die fast unsichtbaren Türen ohne erkennbare Fensterscheiben? Der Experimental-GT von 1965 macht Mut, denn der Serienwagen war deutlich attraktiver! Jetzt müssen sie ihn nur noch bauen – die Opelaner.

Ich pass auch rein in den Opel GT

Ich pass auch rein in den Opel GT

Der Imagegewinn wäre auf alle Fälle beträchtlich und das kann Opel auch heute gut gebrauchen. Vielleicht heißt es – in Anlehnung an den Ur-GT – in der Opel-Werbung ja bald wieder: „Nur Fliegen ist schöner“. Übrigens – dies als kleiner Hinweis an meine Frau: „Ich pass da auch rein!“ So hat das mit unserem Morgan nämlich auch begonnen… (Hier die Antwort von der Gattin: „Nix da“! Denn diesen bedeutungsschwangeren Ausruf hörte ich in der nahen Vergangenheit eindeutig zu oft…)

Die scharfe Abarth Version des Ur-124ers

Die scharfe Abarth Version des Ur-124ers

Fiat 124 Spider

Der von Pininfarina entworfene Fiat 124 Sport Spider, wie er offiziell hieß, stammt aus der gleichen Ära wie der Opel GT. Er wurde 1966 vorgestellt und zum Dauerrivalen des Alfa Spider, der ebenfalls 1966 debütiert hatte. Zwar gelangte er nicht zu Filmruhm wie 1967 der Alfa in der „Reifeprüfung“ mit Dustin Hoffmann und Ann Bancroft, konnte aber ansonsten in allen wesentlichen Punkten durchaus mithalten. Produziert wurde er bis 1985. Eine besonders scharfe Version gelang mit dem 1972 vorgestellten Abarth. Als Homologationsmodell war er für den Sporteinsatz gedacht und mit Einzelradaufhängung versehen statt der Starrachse hinten beim Serienmodell. Daneben verfügte er über ein festes Hardtop sowie einen Motor mit 128 PS aus 1,8 Litern Hubraum.

Die Lackierung ist Programm

Die Lackierung ist Programm

Das ist insofern bemerkenswert, als auf der Techno Classica nicht nur der Serien 124er präsentiert wurde, sondern auch eine Abarth-Version mit 170 PS und einem roten, zentral positionierten Drehzahlmesser, der sicher nicht ganz unbeabsichtigt an Ferrari erinnert…

Ein Hauch von Ferrari im Innenraum

Ein Hauch von Ferrari im Innenraum

Die etwas zivilere Version des 124 leistet mit seinem Frontmittelmotor 140 PS, die auf die Hinterräder abgegeben werden. Wen der Wagen an den Mazda MX5 erinnert, der hat natürlich recht. Die japanische Roadster-Ikone spendiert die Basis für den 124. Was gut und schlecht zugleich ist. Gut sind sicherlich die Technik und das tadellose Fahrverhalten – schlecht hingegen ist die Tatsache, dass der MX5 für Japaner konstruiert ist. Und die sind durchschnittlich kleiner als der gemeine Mitteuropäer, der für den 124er 180cm Körperlänge nicht wesentlich überschreiten sollte – schade eigentlich, denn gerade die Abarth-Version sieht super scharf aus.

Die Ur-Giulia - einer der ersten Kompakt-Sportler

Die Ur-Giulia – einer der ersten Kompakt-Sportler

Alfa Romeo Giulia

Gehen wir noch mal vier Jahre zurück. 1962 debütierte eine sportliche, kompakte Limousine, die die Idee des Kompaktsportlers der BMW 02-Reihe, die 1966 auf den Markt kam, vorwegnahm. Legendär bei der Giulia war damals der Aluminium-Doppelnockenwellen-Motor, der in der 1300er Einstiegsversion 77 PS leistete und in der 1600er Version als ti-Super 113 PS. Damit erreichte die Sportlimousine 190 km/h und konnte fast allen zeitgenössischen Autos auf und davon fahren.

Die neue Giulia

Die neue Giulia

Das kann die neue 2016er Giulia sogar noch ein wenig besser. In der Topversion Quadrifoglio – zu deutsch Kleeblatt – leistet sie 510 PS, natürlich mit Heckantrieb. Wenn sie sich Ende der 60er Jahre dem BMW 2002 ti geschlagen geben musste – und erst recht Anfang der 70er dem tii und dem turbo  –, so hat sie 2016 wieder die Nase vorn und der aktuelle M3 eindeutig das Nachsehen.

Die neue Giulia von innen

Die neue Giulia von innen

Schließlich hat  Ferrari bei der Motorenentwicklung ein wenig mitgeholfen… Natürlich liegen nicht bei Jedem mindestens 72.000 € auf dem Konto, deshalb stehen für uns Normalverbraucher auch Benzin- und Dieselmotoren ab 105 PS in der Preisliste. Auf alle Fälle gibt es sie jetzt wieder bei Alfa: die kompakte, attraktive, begehrenswerte Sportlimousine, auf die wir – wenn wir ehrlich sind – seit Einstellung der Produktion der alten Giulia 1978 gewartet haben!

Die Neuinterpretation nach 45 Jahren

Die Neuinterpretation nach 45 Jahren

Mercedes S-Klasse Cabriolet

Zwei Schmankerl von der Techno Classica habe ich noch – zumindest was die Neufahrzeuge betrifft. Fangen wir mit dem S-Klasse Cabriolet an. Auch darauf musste der geneigte Connaisseur seit 1971 warten, als das legendäre Cabriolet der Mercedes Baureihe W 111 zu Grabe getragen wurde.

Das Cabriolet auf Heckflossenbasis

Das Cabriolet auf Heckflossenbasis

Es hatte so gar nichts von seinem Plattformspender, der berühmten Mercedes Heckflosse und war der Inbegriff von Luxus und Eleganz in einem offenen Auto. In meiner Schulzeit war es der Traumwagen schlechthin, den ich in zahlreichen (Modell-)Versionen zu Hause aufgestellt hatte.

Das 300 S Cabriolet

Das 300 S Cabriolet

Vorgänger gab es einige – wie den 300 S Roadster (W 188) Ende der 50er Jahre oder den 500 K „Offener Tourenwagen“ (W 29) Mitte der 30er Jahre.

Mercedes 500 K - das erste S-Klasse Cabriolet

Mercedes 500 K – das erste S-Klasse Cabriolet

Sie alle rahmten ihn ein, den präsentierten S 500, den in dieser Fahrzeugklasse aktuell einzigen Konkurrenten von Rolls Royce und Bentley. Mit seinem Preis von (ab) 140 T€ ist er gegenüber den Britten fast ein Schnäppchen.

Der V90 und seine Vorgäger - 60 Jahre Volvo Kombis

Der V90 und seine Vorgäger – 60 Jahre Volvo Kombis

Volvo V90

Auf dem Volvo Stand gab es ein kleines Jubiläum zu feiern: 60 Jahre Volvo Kombi. Und alle Modelle waren vertreten. Eigentlich sind es sogar schon mehr als 60 Jahre, denn der erste Kombi von Volvo wurde bereits 1953 vorgestellt:

Der Volvo Duett - so fing alles an

Der Volvo Duett – so fing alles an

Volvo Duett

Bei dem 1953 eingeführten Volvo Duett war der Name Programm. Er verkörperte die Philosophie, „zwei Fahrzeuge in einem“ zu bieten: eins für die Arbeit und eins für die Freizeit. Dadurch entwickelte sich der Kombi zum bis dato erfolgreichsten Volvo sowie zum globalen Verkaufsschlager, denn der Volvo Duett wurde als erstes Modell der Marke in die USA exportiert. Fast drei Jahrzehnte nach Produktionsende, im Jahr 1997, wurde diesem besonderen Pionier in Schweden sogar eine eigene Briefmarke gewidmet.

Amazon - der zweite Familienkombi

Amazon – der zweite Familienkombi

Volvo Amazon

Auf den Volvo Duett folgte 1962 der Volvo Amazon, der offiziell die Modellbezeichnung 221 trug.

Noch mal der Amazon

Noch mal der Amazon

Er war nicht nur deutlich eleganter als sein Vorgänger, der seine Wurzeln im Segment der Lieferwagen hatte, sondern überzeugte auch mit einem größeren Kofferraum.

Volvo 145

Ende November 1967 komplettiert Volvo die 140-Baureihe durch die Einführung einer dritten Variante: den Kombi Volvo 145. Seine klar konturierte, kantige Heckgestaltung diente für lange Zeit als Erkennungsmerkmal aller Volvo Kombis.

Der Schneewittchensarg von hinten

Der Schneewittchensarg von hinten

Volvo 1800 ES

Der wegen seiner großen Glashecklappe von der Presse liebevoll „Schneewittchensarg“ genannte Volvo 1800 ES gilt als der Urvater moderner Shooting Brakes. Dabei war das im Herbst 1971 eingeführte Modell eigentlich eine Weiterentwicklung des Kult-Coupés Volvo 1800. Der Sportkombi überzeugte dennoch mit viel Platz – nicht nur für die große Golfausrüstung. Aufgrund neuer Sicherheitsvorschriften wurde der Volvo 1800 ES nach 8.000 gebauten Fahrzeugen wieder eingestellt. Trotz oder gerade wegen dieser kleinen Stückzahl avancierte der Kombi zu einem der meistgefragten Volvo Klassiker aller Zeiten.

Volvo 245

1974 kam schließlich das Vorbild für alle aktuellen Volvo Kombis auf den Markt: der Volvo 245 – ein Modell, das bis heute eng mit der Marke verknüpft wird. Die Ziffernfolge steht übrigens für vier Zylinder und fünf Türen. Das geräumige Modell wurde fast 20 Jahre lang – bis 1993 – gebaut und setzte in dieser Zeit regelmäßig neue Maßstäbe: Dank Turboaufladung und 113 kW (154 PS), mit denen das Fahrzeug in 8,9 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigte, war der Volvo 245 seinerzeit der schnellste Kombi der Welt. Eine besonders exklusive Variante stellte der Volvo 265 dar, der mit einem Sechszylinder unter der Motorhaube vorfuhr.

Der Renn-Transporter

Der Renn-Transporter

Volvo 850 T5-R

Einen Kombi wie den Volvo 850 T5-R hatte man nie zuvor gesehen: In auffälligem Gelb lackiert, sprintete das 177 KW (240 PS) starke Editionsmodell in 6,9 Sekunden auf 100 km/h. Kein Wunder, dass sich das Modell auf Anhieb zum begehrten Sammlerstück entwickelte.

Der konkave Kühlergrill - eine Hommage an den 1800 ES

Der konkave Kühlergrill – eine Hommage an den 1800 ES

Volvo V 90

Das konkave Vorbild

Das konkave Vorbild

Der taufrische V 90 von 2016 verkörpert wie keiner seiner Vorgänger Nutzwert in einem atemberaubenden Design. Wer genau hinschaut, erkennt auch hier Anklänge an Gestaltungselemente seiner Vorfahren: z.B. den leicht konkav geformten Kühler, wie ihn bereits der 1800 ES zeigte.

Schwedisches Design im Innenraum

Schwedisches Design im Innenraum

Erstmals in der jüngeren Geschichte setzt er allerdings auch im Innenraum Maßstäbe für seine Klasse. Das Innenraumdesign ist derart geschmackvoll, hochwertig und endlich auch einigermaßen bedienerfreundlich, dass sich Mercedes & Co. warm anziehen sollten. Zumindest bei den potenziellen Kunden, die darauf Wert legen. Wir zum Beispiel.

Volvo-Schriftzug in den Heckleuchten

Volvo-Schriftzug in den Heckleuchten

Damit beende ich meinen Rundgang auf der Suche nach Präsentationen neuer Automobile auf der Techno Classica. Und ja – ich lasse ganz bewusst einige weitere Deutschlandpremieren aus, die für mich persönlich nicht so relevant sind; bei denen es sich nicht wirklich um neue Modelle handelt; oder die für eine größere Zielgruppe konzipiert sind. Was auf dem Genfer Automobilsalon im letzten Jahr begann – nämlich, dass zahlreiche Hersteller ihre neuen Modelle inmitten ihrer Vorgänger ins Rampenlicht stellten, wurde auf der Techno Classica quasi mit umgekehrten Vorzeichen weitergeführt. Nette Idee!