EZ Electric Power Steering

EZ Electric Power Steering

Damals kannten wir es nicht anders. Als ich 1972 meine Fahrstunden in einem VW Käfer absolvierte, dachte ich über das Thema Servolenkung noch nicht nach. Auch die ersten eigenen – natürlich heftig gebrauchten – Fahrzeuge: Fiat 125 S, Fiat 1500 Cabriolet, Renault R8, Alfa Romeo Berlina, der Alfa Rundheck-Spider… (diese Liste könnte ich in meinem autoverrückten Leben fast beliebig weiterführen) ließen sich einfach so lenken – ohne jede Servounterstützung.

Zum ersten Mal wunderte ich mich anlässlich meiner Verlobung im Dezember 1976 über eine schwergängige Lenkung. Ich durfte nämlich ausnahmsweise das Auto meines Schwiegervaters bewegen, um meine Mutter abzuholen und zur Verlobungsfeier ins noble Hotel Atlantic in Hamburg zu chauffieren. Der Wagen: ein schnittiger BMW 2500, der Vorläufer des heutigen 7er. Der damalige 2,5-Liter 6-Zylinder (da passte die Typenbezeichnung noch zum Hubraum) drückte ganz schön auf die Vorderachse. So luxuriös mir der Wagen auch erschien, Extras wie Servolenkung, Automatikgetriebe, Ledersitze oder elektrische Fensterheber waren zu der Zeit noch nicht üblich. Also nahm man auch die Lenkkräfte als „gottgegeben“ hin. Das änderte sich erst im Nachfolgeauto meines Schwiegervaters, einer Mercedes S-Klasse.

Mein erster eigener Wagen mit Servolenkung war 1990 auch gleichzeitig mein erster Firmenwagen, ein Mercedes 190 E 2,3 l, sogar mit eingebautem „hypermodernem“ C-Netz-Telefon. All meine darauf folgenden Autos verfügten selbstverständlich auch über eine Servolenkung. Darüber gab es keine Diskussionen mehr. Eher über das erste Navigationsgerät in meinem zweiten 7er BMW.

Morgan Plus 4 von 2011

Unser Morgan Plus 4 ohne Lenkhilfe

Erst ca. 20 Jahre später wurde ich 2011 wieder mit dem Thema Lenkkräfte konfrontiert – nämlich, als wir unseren Morgan Plus 4 aussuchten. Puristisch bis zum „geht nicht mehr“. Kein ABS oder ESP, keine Servolenkung oder Servobremsen, keine Airbags und nicht einmal ein Radio. Den Anblick einer Stabantenne an unserem Morgan hätten wir sowieso nicht ertragen. Und auch die Navigation übernimmt stets mein rothaariges Navi, ausgerüstet mit Roadbook und Straßenkarten in gutem Maßstab. Um meine langen Beine geschmeidig unter das Lenkrad zu bringen, entschieden wir uns für das kleinste Moto-Lita Holzlenkrad, das der Importeur unseres Morgans bereithielt.

Prominente Umrüstungs-Kunden

Prominente Umrüstungs-Kunden

Natürlich merkten wir schnell den Unterschied zwischen der leichtgängigen modernen Audi A6-Lenkung und unserem Morgan, aber wir wollten es ja so. Und hinter der Vorderachse befindet sich doch auch „nur“ ein 2-Liter-Motor. Der 3,7-Liter V6-Monster-Motor, der unter der Motorhaube des Morgan Roadster schlummert oder werkelt, ist dagegen ein ganz anderes Kaliber – schon gewichtsmäßig. Und ganz heimlich, still und leise, hat sich neuerdings werksseitig im ebenso puristischen, wie klassischen Morgan eine serienmäßige Servolenkung eingenistet. Konstrukteur, Hersteller sowie Lieferant der Lenkhilfe – EZ Electric Power Steering aus Holland.

Ein Alfa Montral wird umgerüstet

Ein Alfa Montral wird umgerüstet

Die klassischen Morgan sind bekanntlich beileibe nicht die einzigen Autos, die ohne Lenkhilfe auskommen mussten. Die meisten sportlichen oder supersportlichen Autos wurden bis in die 80er Jahre ohne dieses vermeintliche Komfort-Extra ausgeliefert – bis hin zum Alfa Montreal oder Ferrari 328. Das wurde uns erst bewusst, als wir im letzten Herbst der Firma EZ Electric Power Steering anlässlich einer Holland-Rundfahrt in unserem Morgan einen Besuch abstatteten und einen Alfa Montreal sahen, der gerade nachträglich mit einer solchen Lenkunterstützung ausgerüstet wurde.

Warum eigentlich nicht? Ich kann mich noch gut daran erinnern, als sich bei mir Kalkablagerungen in der Schulter entzündeten und ich meinen rechten Arm nur sehr bedingt einsetzen konnte. Unseren Morgan hätte ich damals nicht lenken können. Und was machen Frauen, die die hohen Lenkkräfte manch klassischer Automobile aufgrund ihrer zierlichen Statur nicht bewältigen können? Oldtimer-Liebhaber, die mit ihrem Schätzchen gemeinsam in Ehren ergraut sind und auf einmal ebensolche Probleme haben?

Sollen sie nicht mehr in dem Auto fahren können, das sie über viele Jahre so treu begleitet hat? Oder Oldtimer-Fans, die es einfach nicht gewohnt sind, mit derartigen Lenkkräften umzugehen, auf ein klassisches Automobil aber nicht verzichten wollen?

Der geneigte Oldie-Freund, der auf größtmögliche Originalität Wert legt, mag jetzt die Nase rümpfen ob dieses Artikels, aber in meinen Augen gibt es genug Gründe, über eine Servounterstützung in einem klassischen Automobil nachzudenken. Und letztlich bleibt die Entscheidung jedem selbst überlassen…

Von Maserati bis Jaguar

Von Maserati bis Jaguar

EZ Electric Power Steering wurde 2007 gegründet und ist seitdem stetig gewachsen. Für mehr als 400 Modelle sind inzwischen passende Lenkungen entwickelt worden. Von „A“, wie Alfa Romeo, Allard, Alvis oder Aston Martin bis „V“, wie Volga, Volvo oder Volkswagen. Diese Servolenkung wird elektrisch betrieben und ist sowohl für 12/14-Volt Lichtmaschinen, als auch – mit Konverter – für 6 Volt-Anlagen lieferbar.

Servolenkungen in Serienproduktion

Servolenkungen in Serienproduktion

Sie arbeitet geschwindigkeitsabhängig, also leichtgängig im Stand und mit wenig Unterstützung bei höheren Geschwindigkeiten. Den Grad der Servounterstützung kann der Fahrer/ die Pilotin selbst regeln. Der Knopf hierzu befindet sich versteckt unter dem Armaturenbrett. Und bei einem Ausfall bleibt natürlich die Lenkfähigkeit erhalten – ohne Unterstützung. Dies durften wir selbst in einem umgerüsteten Triumpf TR 5 ausprobieren.

Zufrieden nach der Probefahrt im TR 5

Zufrieden nach der Probefahrt im TR 5

Das Ergebnis war verblüffend: Der Wagen ließ sich im Stand spielerisch lenken und das Fahrgefühl bei höheren Geschwindigkeiten war nahezu identisch mit der Version ohne Servounterstützung. Er ließ sich nur einfach leichter fahren.

Ruud Jong - Geschäftsführer von EZ

Ruud Jong – Geschäftsführer von EZ

Pro Jahr werden zurzeit gut 2.000 Servosysteme ausgeliefert, davon gehen 85% in den Export. Die meisten nach Deutschland – oder nach England zu Morgan. Lutz Leberfinger vom Morgan Park Hamburg hat z.B. seinen alten Plus 8 mit einem solchen System ausgerüstet. Interessenten für einen Morgan können ihn sicher einmal Probefahren. Ach ja, die Preise: sie liegen etwa zwischen 1.500 und 4.000 €, je nach Fahrzeugtyp.

Moto Lita für einen Jaguar

Moto Lita Lenkrad für einen Jaguar

Und die passenden Lenkräder hält das Unternehmen auch bereit. Mit Servounterstützung darf es dann übrigens ruhig einen kleineren Durchmesser haben…

Mit Servo gehts auch 2 Nummern kleiner

Mit Servo gehts auch 2 Nummern kleiner

Nähere Informationen unter http://www.ezpowersteering.nl/32/Home.html