Der jährliche – stets mit Spannung erwartete – Genfer Automobilsalon wird nicht in erster Linie mit klassischen Automobilen in Verbindung gebracht. Denn vor allem geht es in der Schweiz um Neuheiten bei den aktuellen Modellen, um Designstudien und ums „gesehen werden“. „Man(n)“ trifft sich bei Ferrari – natürlich nur aufgrund persönlicher Einladung, schaut sich eine neue Designstudie bei Maserati an, lässt sein Öko-Gewissen an den Ständen der Elektro-Mobilität beruhigen oder setzt sich – ohne extra Aufforderung – in das neue Mercedes S-Klasse-Coupé. Schöne heile Autowelt.

Fest verabredet war ich mit Steve Morris, dem Managing Director von Morgan, um über ein neues Buchprojekt zu sprechen und mich natürlich über den Modelljahrgang 2014 zu informieren (www.morgan-news.de). Denn schließlich ist Morgan die letzte Schmiede klassischer Automobile in Familienbesitz – in dritter Generation!

Und – einmal vor Ort – bietet sich an, zu eruieren, ob und was es für Freunde klassischer Automobile sonst zu entdecken gibt. Dabei hatte ich hauptsächlich auf die Stände von Jaguar und Aston Marton spekuliert, die im letzten Jahr mit entsprechenden Exponaten glänzten. Aber: Fehlanzeige – nur Neufahrzeuge! Doch komplett enttäuscht wurde ich trotzdem nicht. Ich war auf der Suche nach dem Klassiker auf dem Genfer Automobilsalon 2014.

Pic-Pic MIV von 1914

Pic-Pic MIV von 1914

Bereits am Zugang zum Pressezentrum empfing mich eines der wenigen Beispiele klassischer schweizerischer Automobilkultur. Der Pic-Pic MIV, der heuer seinen 100. Geburtstag feiert! Pic-Pic steht für Piccard-Pictet & Cie. Die Karosserie ist übrigens von Gangloff.

Alfa Romeo RL Targa Florio von 1923

Auf dem Alfa Romeo-Stand wurde ich erneut fündig. Dort stand ein wunderschöner Alfa Romeo RL Targa Florio von 1923, der mich glatt vergessen ließ, dass es eigentlich den neuen 4C Spider zu bewundern galt. Mit meinen 194 cm traute ich mich jedoch gar nicht erst, eine Falt-Sitzprobe zu versuchen…

Zum Mazda-Stand hätte mich an sich nichts getrieben, aber bedingt durch die offene Stand-Struktur des Genfer Automobilsalons erhaschte ich einen Blick auf drei Mazda MX 5 und erfuhr so, dass der Kult-Roadster der 90er Jahre just in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feierte:

1. Generation: MX 5 von 1989

1. Generation: MX 5 von 1989

2. Generation: MX 5 von 1998

2. Generation: MX 5 von 1998

3. Generation: MX 5 von 2006

3. Generation: MX 5 von 2006

Am 10. Februar 1989 wurde die erste Generation auf dem Chicagoer Automobilsalon vorgestellt. Mit über 900.000 Exemplaren schaffte er es als weltweit meistverkaufter Roadster sogar ins Guinness Buch der Rekorde. Auf dem Mazda-Stand gezeigt wurden Exponate aus allen drei Generationen: Das Ur-Modell von 1989, ein Exemplar der zweiten Serie aus dem Jahr 1998 und die dritte Generation – in einer Rennversion – aus dem Jahr 2006.

Honda RA 271

Honda RA 271

Das Automobilhersteller gern auf eine langjährige Motorsporttradition verweisen, zeigte sich wieder einmal bei Honda, wo der RA 271 zu sehen war: das erste Formel 1-Fahrzeug der Marke, welches sein Debüt auf dem Nürburgring im Jahr 1964 gab. Die Besonderheit dieses Rennwagens ist sein quer eingebauter 12-Zylinder-Motor.

Sbarro Event

Eine ganz andere Variante eines klassischen Automobils war auf dem Stand von Francesco (Franco) Sbarro zu sehen: der Sbarro Event – ein Einzelstück, das im Kundenauftrag entwickelt und gebaut wurde. Dabei handelt es sich um eine sehr eigenwillige Interpretation eines offenen klassischen Automobils mit 16-Zylinder-Motor, geräumigem Innenraum, übersichtlicher Instrumentierung und – möglicherweise für einen weiblichen Auftraggeber – deutlich sichtbarem Handtaschenhalter am Armaturenbrett.

Porsche 911 Turbo 3,0

Porsche 911 Turbo 3,0

Auf dem Stand der Motorpresse Stuttgart war der Porsche 911 Turbo 3,0 zu bewundern, den der Rennfahrer und Gründer des Verlages, Paul Pietsch, im Jahr 1976 erwarb und der sich immer noch im Familienbesitz befindet.

Mercedes Benz 280 SE 3,5 Cabriolet

Mercedes Benz 280 SE 3,5 Cabriolet

Bei Brabus wurde ich wirklich überrascht. Neben den üblichen leistungsgesteigerten, bestens ausgestatteten Automobilien auf der Basis eines namhaften Stuttgarter Automobils mit Kühler-Stern standen zwei perfekt restaurierte Mercedes-Klassiker, mit denen Brabus auf seinen noch ziemlich jungfräulichen Geschäftsbereich „Brabus Classic“ aufmerksam machen wollte. Neben einem 280 SE 3,5 Cabriolet glänzte eine wunderschöne, perfekt restaurierte Pagode – beide Autos im traditionellen Mercedes-Farbton 904 (dunkelblau), ausgestattet mit cremefarbenem Leder und passendem Verdeck. Einfach ein Traum und perfekt in der Ausführung!

Brabus Mercedes 280 SL

Eine Wiederauferstehung gab es ebenfalls zu feiern: 1948 hatte Pasquale Ermini mit dem Bau von Sportwagen begonnen, motorisiert mit kleinen Vierzylindern. Bereits 1950 gewannen seine Fahrzeuge die italienische Sportwagenmeisterschaft in der Klasse bis 1100 ccm! 1962wurde das kleine Unternehmen leider aufgelöst. Doch 2014 startet es mutig einen Comeback-Versuch und präsentierte als „Appetitanreger“ neben dem „Seiottosei“, einem 320 PS starken Roadster, diesen wunderschönen Ermini 357 Sport von 1955.

Ermini 357 Sport von 1955

Aufmerksamkeit erregte auch ein Stand voller klassischer automobiler Leckerbissen, die eine besondere neue Oldtimer-Veranstaltung vorstellen sollten: die Lignières Historique.

Lignieres Historique

Der „Circuit de Lignières“ ist die einzige Rundstrecke in der Schweiz. 1961 unweit von Biel gebaut, wurde sie 1964 erweitert. Pünktlich zum 50jährigen Jubiläum dieser Vergrößerung soll sich ab 2014 ein neuer Oldtimer Grandprix in der Szene etablieren.

Darüber werden wir in einem der nächsten Beiträge berichten – ebenso wie über diese Veranstaltung, der eine Sonderausstellung in Halle 3 gewidmet war:

Sonderausstellung Le MansDie Geschichte der „24 Heures Du Mans“ begann 1906, als der „Automobile club de l’Ouest“ in Le Mans den ersten Grand Prix der Automobilgeschichte durchführte. 1923 folgte das erste Langstreckenrennen über 24 Stunden, von dem es heuer die 82. Auflage gibt – lediglich zwischen 1940 und 1948 wurde aus verständlichen Gründen pausiert.

Insgesamt lohnte der Besuch in Genf wieder einmal für alle Freunde & Freundinnen fahrbarer Untersätze, bei denen mehr Benzin als rote Blutkörperchen durch die Adern fließt. Auch wenn sie mehr der klassischen Automobilszene zuzuordnen sein sollten…

Die nächste Chance kommt im März 2015 – an bewährtem Ort!