Fritz B. Busch in Lebensgröße

Fritz B. Busch in Lebensgröße

Den Motorjournalismus prägte er wie kein Zweiter. Und er lebte das Thema Automobil mit einem Enthusiasmus, wie es ebenfalls kaum ein Zweiter tat. Es war ja auch seine Zeit: die Nachkriegsjahre, als sich Deutschland kräftig schüttelte und aus der Asche auferstand. Die 50er, die 60er, die 70er Jahre. Eigentlich begann alles 1958, als er beschloss, sich nur noch mit dem Thema Automobil zu befassen. Natürlich hatte er schon vorher Autos sein eigen genannt – schließlich war er von ihnen wie besessen. Bei den meisten, wie dem Opel 4/20, handelte es sich um Vorkriegsmodelle, die er von seinem Vater her kannte. Und vor allem konnte oder wollte er sie nicht wieder hergeben. So sammelten sie sich nach und nach auf dem Innenhof des elterlichen Hauses an, den seine Mutter bald genervt als „Schrottplatz“ titulierte.

Aber ebenfalls 1958 fing er neben dem Sammeln damit an, über Autos zu schreiben. Heutzutage ist so etwas recht simpel: man erstellt einen Blog und schreibt über die Themen, die man der Welt mitteilen möchte. Nicht so 1958. Zunächst schrieb er also Leserbriefe an die Redaktion der Zeitschrift AUTO, MOTOR UND SPORT, die jedoch so außergewöhnlich waren, dass der Chefredakteur nicht anders konnte, als ihn in seinen Stab zu holen. In einer Zeit, in der die Testberichte eher technisch bis technokratisch geprägt waren, sorgte Fritz B. Busch mit seiner lockeren Schreibe für Furore. Legendär war seine Serie „Für Männer, die Pfeife rauchen“. Das ging damals noch sowohl in den Lokalen als auch im Auto.

BMW 503 Coupé

BMW 503 Coupé

So kam er in den außergewöhnlichen Genuss, Traumwagen fahren und darüber schreiben zu können, die sonst für ihn unerreichbar gewesen wären. Irgendwann – 1962, um genau zu sein – wurde auch der Wettbewerb auf den talentierten „Schreiberling“ aufmerksam. Hier in Person von Henri Nannen, der ihn als Autotester und Autor für die „Traumwagen-Serie“ zum Stern holte. Das bedeutete: ein Vielfaches an Auflage sowie das doppelte Gehalt. Ab jetzt tourte er um den Globus und schrieb über alles, was automobil Rang und Namen hatte. An den schönsten Plätzen der Erde.

Ach ja, zurück zu seinem Museum. Seine Sammelleidenschaft hatte ich bereits erwähnt. Und so reihte sich im heimatlichen Innenhof Auto an Auto, na sagen wir genauer Fahrzeug an Fahrzeug: vom Tretroller seiner Kindheit bis zum Traktor. Bevor er daheim jedoch ob seiner Leidenschaft die „rote Karte“ sah, kam er auf die glorreiche Idee, den Fürsten von Waldburg zu Wolfegg und Waldsee zu einer Oldtimertour einzuladen. Fasziniert von der Persönlichkeit und automobilen Begeisterung, sprang auch beim Fürsten der Funke über und er bot Busch spontan einen alten Ochsenstall als Domizil für seine Sammlung an.

Eingangsbereich des Museums in Wolfegg

Eingangsbereich des Museums in Wolfegg

Das Obergeschoss wurde dafür noch ein wenig ausgebaut, ein Parkplatz und ein Fußweg wurden angelegt und ein Kassenhäuschen aufgestellt, in dem dann Fritzens Vater saß. Bei der Eröffnung 1973 bildete sich wider Erwarten bereits am ersten Tag eine lange Schlange, die bis zur Straße reichte. Der allererste Besucher war jedoch ein Schrotthändler, der ihm die 32 Fahrzeuge zu einem guten „Preis pro Tonne“ abkaufen wollte. Daraus wurde natürlich nichts!

Eingangsbereich des Museums

Eingangsbereich des Museums

Fritz B. Busch war nicht nur Autoliebhaber, sondern hatte eine Vision. Eine florierende Oldtimerszene existierte damals nämlich noch nicht, sodass relativ günstig auch ältere „Gebrauchtwagen“ gekauft werden konnten. Und so entwickelte sich seine Sammlung zusehends. Bald wurde der untere Teil des Gebäudes renoviert und mit genutzt – immerhin eine Fläche von 2.500 qm. Aber auch die reichte nicht mehr aus, um die mittlerweile 200 Exponate standesgemäß zu beherbergen.

E-Type Inneneraum mit zeitgenössischer Literatur

E-Type Inneneraum mit zeitgenössischer Literatur

E-Type - nach Meinung von Fritz B. Busch der schönste und rassigste Nachkriegssportwagen

E-Type – nach Meinung von Fritz B. Busch der schönste und rassigste Nachkriegssportwagen

Zur Einweihung des 2. Gebäudes

Zur Einweihung des 2. Gebäudes

Deshalb wurde Ostern 1998 in unmittelbarer Nähe ein weiteres historisches Gebäude mit 700 qm zum Museum umfunktioniert – ein Chorherrenstift aus dem 16. Jahrhundert.

Standesgemäße Unterbringung hieß seinem Verständnis nach übrigens, dass die Fahrzeuge möglichst authentisch in Szene gesetzt wurden.

Café Topolino

Café Topolino

Ob in einem Wäldchen, vor einem italienischen Straßencafé, an einer Grenze mit Schlagbaum oder in einer alten Scheune, wie es sich für einen echten „Scheunenfund“ gehört.

Der letzte Cadillac von Hans Albers

Der letzte Cadillac von Hans Albers

Wer z.B. vor dem letzten Cadillac von Hans Albers steht, hört dazu sogar noch die passende Melodie.

Natürlich sind es auch besonders die persönlichen Erinnerungen und Anekdoten, die die Exponate nicht nur zu – wenn auch nicht immer formschönen, zumindest aber interessanten – Blechhaufen degradieren, sondern sie lebendig werden lassen.

Buschs BMW 501 A

Buschs BMW 501 A

Z.B. den wunderschönen BMW 501 (Barockengel), der beim Kauf die finanziellen Reserven der Familie mehr als nur strapazierte und Busch daraufhin – zur Strafe – auf eine Isetta umsteigen musste.

Die BMW Isetta lädt zum Einsteigen ein

Die BMW Isetta lädt zum Einsteigen ein

Mercedes SSK - Nachbau

Mercedes SSK – Nachbau

Oder den imposanten Mercedes SSK, den er sich selbst zu seinem 70. Geburtstag gönnte. Ein solches Original hätte die Familienkasse 1992 selbstverständlich ebenso nicht verkraftet. Er hatte sich allerdings eine Nachbildung mit moderner Mercedes-Technik bauen lassen. Natürlich mit einer Edelstahl-Karosserie und nicht aus Kunststoff.

Der Golf I mit dem Busch die Carrera Panamericana gefahren ist

Der Golf I mit dem Busch die Carrera Panamericana gefahren ist

Und oft waren es ganz besondere Wagen, wie der Golf I Diesel, mit dem er 1974/75 zu Werbezwecken die gesamte Panamericana von Alaska bis Feuerland befuhr.

Das Ding - der Diesel-Rekordwagen

Das Ding – der Diesel-Rekordwagen

Oder der von Busch entwickelte Diesel-Weltrekordwagen, mit dem er 1975 einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Dieselfahrzeuge aufstellte: 256 km/h. Der Rekord wurde übrigens nicht – wie damals üblich – auf dem Salzsee in Utah gemessen, sondern auf der VW-Versuchsstrecke in Ehra-Lessin bei Wolfsburg bei Wind und Wetter. Das „Ding“, wie er den Wagen nannte, hatte er übrigens nicht nur entworfen, sondern selbst mit Hilfe zweier Technik-Freaks auch in der Museums-Werkstatt gebaut.

Citroen Sahara - die Ente mit den 2 Herzen

Citroen Sahara – die Ente mit den 2 Herzen

BSA Threewheeler

BSA Threewheeler

Hanomag Komissbrot

Hanomag Komissbrot

Wer offenen Auges durch das Museum schlendert und auch einen Blick für die liebevoll gestalteten, handgeschriebenen Texttafeln hat, der geht auf eine Zeitreise – je nach Alter des Besuchers – bis in die eigene Jugend. Dabei werden unwillkürlich Erinnerungen wach an eine Zeit, in der das Auto noch einen besonderen Status innerhalb der Familie hatte: als ein vollwertiges Mitglied und Bestandteil vieler gemeinsamer Erlebnisse und Erinnerungen.

Borgaward Hansa 1500 bei der Grenzkontrolle Richtung Süden

Borgaward Hansa 1500 bei der Grenzkontrolle Richtung Süden

Fritz B. Busch starb 2010 und wurde für sein Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Bis 2006 hatte er das Museum noch selbst geleitet und danach in die Hände seiner Tochter Anka Busch übergeben, die es heute in seinem Sinne weiterführt.

Horch Typ 853 von 1937

Horch Typ 853 von 1937

Borgward Isabella Coupe und NSU Ro 80

Borgward Isabella Coupe und NSU Ro 80

Nach der Winterpause ist diese liebevoll und kenntnisreich gestaltete besondere automobile Ausstellung „Ich lenke, also bin ich – das automobile Vermächtnis des Fritz B. Busch“ auch 2015 seit dem 21. März wieder täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter:
http://www.automuseum-busch.de/index-de.htm

Goliath F 200 von 1933

Goliath F 200 von 1933

Vorkriegs-Rennszene

Vorkriegs-Rennszene

DKW-Motorrad im Wald

DKW-Motorrad im Wald