Heimat des Midland Automobil Club

Heimat des Midland Automobil Club

Frühstück in Shelsley Walsh – ein Stück britischer Motorsportgeschichte. In vielen Dingen sind die Briten definitiv etwas anders als wir Einwohner des Kontinents. Wobei wir an dieser Stelle nicht unbedingt auf das Essen zu sprechen kommen möchten – schließlich ist das hier ein Blog über klassische Automobile. Also befassen wir uns lieber mit dem Motorsport… Bereits als Harry Morgan seinen ersten Threewheeler baute, konnte er den Verkauf nur ankurbeln, indem er sportliche Erfolge anstrebte – und auch errang.

Morgan unter sich

Morgan unter sich

Damals im Jahre 1910 waren es die „Trials“ oder die Stunden-Weltrekorde. Aber es gab auch schon die „Hill-Climb“-Events auf permanenten Rennstrecken. Sehen wir einmal von den Stunden-Weltrekorden ab – die heutzutage auf eigens dafür ausgelegten Hochgeschwindigkeitsstrecken außerhalb Englands erzielt werden, gibt es die Trials und die Hill-Climb-Events immer noch, oder besser gesagt: mehr denn je. Das Besondere ist, dass dabei Motorsport zum Anfassen und Mitmachen zelebriert wird.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: bei einem derartigen Motorsport-Event kann sich nicht jeder einfach in sein Auto setzen und mitfahren. Man braucht eine gültige Rennfahrer-Lizenz; das Auto muss mit entsprechenden Sicherheitsfeatures – wie Überrollbügel – ausgerüstet sein; und die Fahrer/Innen tragen unter ihren Renn-Overalls feuerfeste Unterwäsche. Aber in den zahlreichen Motorsport-Clubs auf der Insel besteht immerhin die Möglichkeit, sich diesem Amateurvergnügen zu nähern.

Für kleines Geld werden Lehrgänge angeboten; ein hochgezüchteter Rennwagen ist nicht nötig, sondern alltagstaugliche Autos dürfen kostengünstig umgerüstet werden, damit der begeisterte Laie in seinem oder anderen Clubs auf der Insel dem Sport frönen kann. Derzeit gibt es ungefähr 20 dieser permanenten „Hill-Climb-Tracks“ und eine britische Rennserie.

Ohne Sponsoren geht es nicht

Ohne Sponsoren geht es nicht

Für alle, die diesen Sport noch nicht kennen – die Regeln sind denkbar einfach: Alle Teilnehmer werden in Klassen eingeteilt, die sowohl Oldtimer als auch „zeitgenössische“ Automobile umfassen – zum Beispiel einen Renault Clio genauso wie einen Audi TT. Die Aufgabe besteht darin, aus dem Stand und bergauf einen ca. 1.000 Yards langen Kurs möglichst schnell zu durchfahren. Dafür brauchen die Fahrer von unter 40 Sekunden bis über eine Minute – je nach Klasse des Autos und des Piloten.

Das Befahren einer solchen Strecke ist – obwohl sich jeweils nur ein Fahrzeug auf dem Kurs befindet – nicht ganz ungefährlich. Kaum Auslaufzonen und neben den Steigungen geht es häufig auch steil nach unten – für manchen ambitionierten Rennfahrer in der Regel nicht ganz freiwillig.

Fast natürliche Streckenbegrenzung

Fast natürliche Streckenbegrenzung

Eine Streckenbegrenzung durch natürliche Wälle, Leitplanken oder Strohballen ist nicht immer vorhanden und die Fahrbahn ziemlich schmal. Doch Unfälle verlaufen meistens glimpflich. Aber nicht immer: In Prescott gab es in diesem Jahr in der letzten Kurve einen schlimmen Unfall, bei dem sich der Fahrer so schwer verletzte, dass er ins künstliche Koma versetzt werden musste. Doch das ist zum Glück eine seltene Ausnahme. Oft bleibt das Auto sogar noch fahrfähig und fährt – nachdem es durch zahlreiche helfende Hände aus der misslichen Lage befreit wurde – unter dem Applaus der gut und gerne vielen tausend Zuschauer auf eigenen Achsen zurück in die Box. Die Zeitabstände, in denen die Wagen auf die Strecke geschickt werden, liegen teilweise bei nur 30 Sekunden. Wenn ein Auto unterwegs einen Unfall hat, wird das nachfolgende Fahrzeug sofort durch die „Marshalls“ mit roten Flaggen gestoppt und darf anschließend noch einmal neu starten.

Frühstück auf dem Bauernhof

Frühstück auf dem Bauernhof

Aber sprechen wir zum Abschluss doch noch kurz über die angebotenen Speisen: zum Beispiel über das traditionelle englische Frühstück mit weißen Bohnen in roter Tomatensauce; für einen deutschen Magen undefinierbare Würstchen; Spiegeleier; knusprigen Speck; gegrillte Tomate und Champignon; Kartoffelecken… haben wir etwas vergessen? Dazu natürlich Tee und Toast. Was das mit Motorsport zu tun hat, werden Sie fragen? Na, wenn an einem Wochenende mal nicht gefahren wird, dann trifft man sich halt im Club zum Frühstück – so geschehen am 10. Mai beim Midland Automobil Club (MAC) in Shelsley Walsh. Die Kenner der Szene werden jetzt mit der Zunge schnalzen…

Der MAC ist unter den vielen anderen wirklich ein besonderer Club. Er wurde am 11. Januar 1901 im ehrwürdigen „The Grand Hotel“ in Birmingham gegründet und ist damit der älteste noch existierende Motorsport-Club der Welt. Das erste Rennen in Shelsley Walsh wurde 1905 auf der dort eingerichteten permanenten Rennstrecke ausgetragen. In diesem Jahr wird also mit dem historischen Rennwochenende am 18. und 19. Juli das 110te Jubiläum dieses Kurses zelebriert. Das nenne ich Motorsport-Tradition! Ein Besucher der Veranstaltung wird u.a. der ehemalige „Le Mans“-Sieger Derek Hill sein, der in Shelsley Walsh bereits fünfmal gewonnen hat.

Blick von oben

Blick von oben

Aber wir waren ja allein zum Frühstück angereist. Martyn Webb, den wir durch unsere Buchrecherchen im Morgan Werk kennengelernt hatten, ist Mitglied im MAC und lud uns zu diesem Event ein. Mit uns kamen etliche hundert Besucher in den Club, der neben der Rennstrecke auch einen liebevoll restaurierten Bauernhof besitzt, der für solche Veranstaltungen genutzt wird.

Eigenbau-Rennbolide

Eigenbau-Rennbolide

Auch der Motor eine Augenweide

Auch der Motor eine Augenweide

Und so gab es ein „sehen und gesehen werden“, ein Stelldichein der schönsten Automobile im Paddock und auf allen freien Stellflächen.

Rolls Royce Coupé vor malerischer Kulisse

Rolls Royce Coupé vor malerischer Kulisse

Vom funkelnagelneuen Rolls Royce Coupé über selbst gebaute Rennboliden, Renn- und Rallyewagen aller Couleur, bis hin zu traumhaft schönen Oldtimern.

MG - der erste

MG – der erste

MG - der zweite

MG – der zweite

Flachmänner damals und heute - BMW i8 neben Lotus Europa

Flachmänner damals und heute – BMW i8 neben Lotus Europa

Und so stand schon mal ein Lotus Europa neben einem BMW i8. Auch von uns hatte man Notiz genommen.

Ein perfekt restaurierter AC

Ein perfekt restaurierter AC

Ansehnliche Uhrensammlung im AC

Ansehnliche Uhrensammlung im AC

Wir waren eindeutig die Besucher mit der weitesten Anreise und so erschien auf der Website des Clubs ein kleiner Artikel nebst Foto.

Besuch beim Midlands Automobile Club_Z

Besuch beim Midlands Automobile Club_Z

Für uns war das Frühstück in Shelsley Walsh – ein Stück britischer Motorsportgeschichte – und gleichzeitig die erste Begegnung mit dieser sehr volksnahen Art der Ausübung. Und ich bin mir sicher, dass – hätte es solche Clubs vor einigen Jahrzehnten auch in Hamburgs Umgebung gegeben – ich nicht nur über klassischen Motorsport schreiben, sondern ihn auch selbst betreiben würde. Geeignete Fahrzeuge hatte ich seit meiner Jugend genug…

Mein unerfüllter Jugendtraum - ein Escord RS

Mein unerfüllter Jugendtraum – ein Escord RS