Die Eventfläche kann man mieten

Die Eventfläche kann man mieten

Dauphin Speed Event – was für ein merkwürdiger Name für ein Automobilmuseum… Des Rätsels Lösung: Es handelt sich gar nicht um ein Museum, sondern vielmehr um eine Event-Fläche für eine private Feier oder eine größere Veranstaltung mit bis zu 450 Menschen. Catering, Bühnentechnik, Beschallung, Hotelservice, Künstlervermittlung, und, und, und…! Halt alles inklusive, was dazugehört. Und das inmitten einer wundervoll gestalteten, 9.000 m² großen Parkanlage.

Die außergewöhnliche Auto- und Motorradsammlung steht übrigens gleich nebenan.
Doch schön der Reihe nach: Im Jahr 1969 gründete Friedrich-Wilhelm Dauphin seinen Produktionsbetrieb für Bürostühle. Von der heimischen Garage aus siedelte sich das prosperierende Unternehmen im mittelfränkischen Offenhausen an. Die Firma war und ist erfolgreich und hat sich über die Jahre inzwischen zu einem der Marktführer im Büromöbelsegment gemausert.

Aber reden wir lieber über einen speziellen Wesenszug des Firmengründers. Er war und ist nämlich begeisterter Sammler. Seine Leidenschaft manifestierte sich anfangs in einem Sortiment von Büromaschinen (harmlos) und Waffen (alles andere als harmlos). Diese (Schuss-)Waffen pflegte er sonntags am heimischen Küchentisch zu putzen und anschließend mit Waffen-Öl zu konservieren. Das hatte jedoch Auswirkungen bis zum Sonntagsbraten und die zugehörige Soße, die bisweilen nicht nur nach dem Öl rochen, sondern auch schmeckten. Dies bescherte ihm das energische Veto seiner Familie. Resultat: Er verkaufte beide Sammlungen. Die Sammelleidenschaft jedoch blieb.

Damit fing alles an

Damit fing alles an

Als er nun eines lieben Tages – so um das Jahr 1982 herum – mit seiner Sippschaft in der Schweiz weilte entdeckte er ein wunderschönes weinrotes Mercedes 280 SE/8 Cabriolet aus dem Jahr 1971. Beige Lederbezüge, edle Hölzer, ein unvergleichlicher Komfort und Spaß für die gesamte Familie!

Der Familien-Wagen der Dauphins

Der Familien-Wagen der Dauphins

Damit begann eine Leidenschaft, die bis heute nicht nachgelassen hat. In den folgenden 40 Jahren war zu seinem Glück sein Unternehmen sehr einträglich, und so vergrößerte er ständig seine Sammlung klassischer Automobile und Motorräder auf heute über 160 Wagen und 280 Motorräder. Anfänglich brachte er seine Schätze im Stammsitz seiner Möbelfabrik in einer ungenutzten Werkhalle unter – lediglich hinter vergitterten Fenstern.

Bis die Dauphins vor ein paar Jahren eine 4000 m² große ehemalige Fahrstuhlfabrik im 10 Kilometer entfernten Hersbruck entdeckten und erwarben. Elke Dauphin kümmerte sich liebevoll und kundig um die Gestaltung der Parkanlagen und Friedrich-Wilhelm um den Ausbau der Halle: im Erdgeschoss die bereits erwähnte Eventfläche, eine großzügige Bar und seine automobilen Kostbarkeiten. Die Motorräder residieren im Obergeschoss.

Blick von oben auf die Sammlung

Blick von oben auf die Sammlung

Während andere Sammler ihre Schätze vor den Blicken der Öffentlichkeit verbergen – in geräumigen Tiefgaragen oder gar über einem Supermarkt –, sind sie in Hersbruck hinter einer großzügigen Glasfront neben der Eventfläche untergebracht. Auch wenn es keine allgemeinen Öffnungszeiten gibt – es ist ja schließlich kein Museum – so sind sie zumindest integraler Bestandteil der Event-Location, was diese in ihrer Art einzigartig macht.
Wir durften ganz ohne Aufsicht einen exklusiven Blick hineinwerfen. Selbst, wenn der Besucher sich nur auf die Automobile konzentriert und ihm so möglicherweise z.B. die MV Augusta GP 500 des ehemaligen Weltmeisters John Surtees entgeht, ist er/ sie schlicht überwältigt.
Die Autos stehen „im organisierten Chaos“ dicht an dicht in der Halle. Alle Wagen sind übrigens hervorragend gewartet und selbstverständlich fahrbereit! Die Zündschlüssel steckten leider nicht, sonst hätten wir durchaus in Versuchung kommen können. Schwerpunkt der Sammlung sind Sportwagen.

Bugatti T 35 B

Bugatti T 35 B

auch von innen perfekt

… auch von innen perfekt

Der älteste ist ein Bugatti T35 B von 1929, der erste Rennwagen mit gegossenen Leichtmetallfelgen, an die die Bremstrommeln direkt angeflanscht waren. Diese Baureihe brachte bekanntlich die erfolgreichsten Rennwagen aller Zeiten hervor, die mehr als 2.000 Siege einfuhren.

Der "genietete" Bugatti

Der genietete Bugatti

Wenn wir bei Bugatti bleiben, dann stechen sofort zwei weitere Modelle ins Auge. Zunächst das berühmte T 57 SC Atlantic Coupé in „British Racing Green“ aus dem Jahr 1939 mit den charakteristischen Nieten in der Karosserie. Wisst Ihr eigentlich, wie dieses auffällige Merkmal entstand? Wir wussten es auch nicht, bis uns unserer Guide, Chef-Mechaniker Wolf-Reiner Köhler, aufklärte: Damals wollte Ettore Bugatti einen besonders schnellen „Supersportwagen“ bauen. Zunächst integrierte er einen Roots-Kompressor zur Leistungssteigerung. Dazu gestaltete er die Karosserie sehr stromlinienförmig und versah sie mit einer sehr teuren, aber dafür leichten Aluminium-Magnesium-Legierung, die sonst nur das Militär einsetzte. Dieses besondere Material war sehr schwer zu verarbeiten und konnte nicht verschweißt werden. Deshalb wurde die Karosserie in zwei Hälften gegossen, die dann in der Mitte zusammengenietet wurden. Dass daneben noch ein wunderschönes Bugatti T 57 Atalante Coupé in einer Zweifarbenlackierung aus Schwarz und Elfenbein steht, vermag uns kaum noch zu überraschen.

Der Bugatti von innen

Der Bugatti „Atalante“ von innen

Überhaupt ist Wolf-Reiner Köhler ein wandelndes automobiles Lexikon, das zu jeder der Preziosen eine Hintergrundgeschichte parat hat. Dadurch artete unser Aufenthalt zu einem mehrstündigen Benzingespräch aus, das mir mein „automobiles Halbwissen“ deutlich vor Augen führte.

Der Bitter CD - eines der schönsten deutschen Coupes

Der Bitter CD – eines der schönsten deutschen Coupes

So lernten wir zum Beispiel, wie es Mitte der 70er Jahre zu Entwicklung und Bau des Bitter CD kam: Erich Bitter war – oder ist – Fußballfan und daher mit etlichen Spielern auch persönlich näher bekannt. Da er sich ein wenig darüber ärgerte, dass diese Spieler meist Sportwagen aus Maranello, Modena oder Sant’Agata Bolognese fuhren, hatte er ihnen versprochen, einen Sportwagen zu entwickeln, der weniger Wartung benötigen sollte und leichter zu fahren sei. Das Resultat: der Bitter CD.

Der BMW Z1 fährt meist geöffnet

Der BMW Z1 fährt meist geöffnet

Oder – noch ein Histörchen für den Stammtisch: Weshalb fahren die Besitzer eines BMW Z1 meistens mit heruntergelassenen Türen? Ganz einfach, wenn man’s weiß. Die Karosserie besteht aus Thermoplast. Leider wurde das Material vom Hersteller – dessen Namen wir an dieser Stelle schamhaft verschweigen – nicht auf Hitzebeständigkeit geprüft. Sie dehnt sich nämlich bei Wärme aus, was nicht nur eine negative Auswirkung auf die Spaltmaße hat. Die absenkbaren Türen wölben sich durch die Ausdehnung nach innen und knirschen deshalb beim Absenken nicht nur, sondern verschrammen auch noch. Wenn man sie geöffnet lässt, sieht das keiner…

Der Ferrari 250 GT Tour de France von 1957

Der Ferrari 250 GT Tour de France von 1957

Doch Spaß beiseite. Bei dieser Flut von Eindrücken beginnt das Herz jedes Automobilisten vor Freude zu hüpfen. Das wertvollste Fahrzeug ist sicherlich das Ferrari 250 GT PF Serie 1 Cabriolet, dessen Versteigerungserlöse mittlerweile im 8-stelligen Bereich liegen. Es ist aber beileibe nicht das schönste Exponat.

Der 250 GT von innen

Der 250 GT von innen

Die Karosserieform, für die Pininfarina verantwortlich zeichnete, wirkt nicht ganz ausgewogen und die beiden „Hörner“ als Stoßstangenersatz stören das Gesamtbild.

Porsche RS 61 Rennspider - nur 13 Stück gebaut

Porsche RS 61 Rennspider – nur 13 Stück gebaut

Aus dem Hause Porsche sind zahlreiche Sportwagen vertreten: ein Rennspyder RS 61, ein 904 GTS und ein 550 Spyder.

Das 356er Carrera Coupe mit dem berühmten Fuhrmann Motor

Das 356er Carrera Coupe mit dem berühmten Fuhrmann Motor

Daneben etliche 356er, seien es Pre A Speedster

Daneben ein Pre A Speedster

Daneben ein Pre A Speedster

oder Carrera GT Coupé mit dem berühmten „Fuhrmann-Motor“, dessen vier obenliegenden Nockenwellen über Königswellen angetrieben werden.

sündhaft teure Sportmotoren zum anschauen

sündhaft teure Sportmotoren zum anschauen

Der Wagen zum Motor

Der Wagen zum Motor

Dabei sind die Motoren etlicher Wagen nicht nur dort verbaut, wo sie dem Antrieb dienen, sondern hinter zahlreichen Autos stehen zusätzliche Exemplare zur Ansicht sowie als Ersatz parat. Auch der angesprochene „Fuhrmann Motor“. Kenner der Szene wissen um seinen Marktwert…

Auch die Kleinen kommen groß raus - der Zündapp Janus und Kollegen

Auch die Kleinen kommen groß raus – der Zündapp Janus und Kollegen

Neben den schönsten Sportwagen der Welt werden auch andere Autos präsentiert, die eher skurril anmuten. So eine Sammlung von Kleinwagen, wie dem Messerschmitt Kabinenroller in einer seltenen Cabriolet-Ausführung oder dem Zündapp Janus, bei dem man nicht sofort sieht, wo vorne und hinten ist, und bei dem die Passagiere auf der Rückbank entgegengesetzt zur Fahrtrichtung sitzen. Das 250 ccm Motörchen steckt übrigens in der Mitte zwischen den Sitzbänken. Das ist zwar gut für eine ausgewogene Straßenlage, aber denkbar schlecht für die Kommunikation der Insassen. Der Wagen ist tierisch laut.

Doch die Schätzchen stehen nicht nur herum, sondern werden regelmäßig bewegt – auch bei historischen Renn- und Rallyeveranstaltungen. Die Familie hat z.B. insgesamt 13mal die Mille Miglia bestritten – teilweise mit mehreren Fahrzeugen gleichzeitig. Davon zeugen noch die Namen der Fahrer/innen auf den Kotflügeln.

Aston Martin DB 4 GT - der Lieblingswagen unseres Guides

Aston Martin DB 4 GT – der Lieblingswagen unseres Guides

Als seinen absoluten Lieblingswagen nennt unser Guide übrigens spontan den 61er Aston Martin DB 4 GT in „echtem“ sprich hellem „British Racing Green“. Ich muss zugeben, dass ich mich so auf die Schnelle nicht entscheiden konnte, aber er kennt die Sammlung sicherlich besser als seine Westentasche.

Nuvolaris Werkswagen auf der 47er Mille Miglia

Nuvolaris Werkswagen auf der 47er Mille Miglia

und auch den gibts von innen

… und auch den gibts von innen

Zum Abschluss unseres Rundgangs lud uns unsere Gastgeberin Klaudia Hlawatschke noch auf ein Glas Wein ein. Daraus wurde eine kleine Weinprobe, denn die Familie Dauphin hat zwischenzeitlich auch noch ein Weingut in Südafrika erstanden. Die preisgekrönten Tropfen werden nicht nur im Event-Center ausgeschenkt, sondern international vermarktet.
Die Links zu Dauphin Speed Event und den wirklich guten Weinen findet Ihr unter:
http://www.dauphinspeedevent.de/
http://www.alleebleue.de/