Für ein Mitglied der Journaille ist der Besuch einer Auktion wahrlich nicht immer ein reines „Zuckerschlecken“… Eine Möglichkeit zur Presse-Akkreditierung für die Coys Auktion auf der Techno Classica gab es nicht. „Melden Sie sich einfach am Eingang“ lautete die lapidare telefonische Anweisung. Gesprächspartner: Fehlanzeige. Gesagt – getan – meldete ich mich rechtzeitig vor Beginn der Auktion „einfach“ am Eingang. Denn frühes Erscheinen sichert zumindest einen Sitzplatz – und die waren rar und somit heiß begehrt. Das merkten zumindest diejenigen Zuschauer und Bieter, die eben nicht rechtzeitig erschienen waren.

Am Empfang saßen zwei eher mürrisch dreinblickende Damen, die auf mich wohl nicht gerade gewartet hatten. Außerdem sollte ich trotz Presselabel um den Hals auch noch meinen Presseausweis zücken, um großzügig Einlass gewährt zu bekommen. Meiner Bitte nach dem erforderlichen Informationsmaterial – sprich Katalog – wurde jedoch nicht entsprochen. So musste ich ihn zähneknirschend käuflich erwerben. Damit hätte ich mir die „Pressenummer“ sparen können, denn der Eintrittspreis wurde über den Kauf des Katalogs ohnehin entrichtet. Pressefreundlich sieht wahrlich anders aus – aber Coys hat es augenscheinlich nicht nötig…

Die noch leeren Stuhlreihen werden sich schnell füllen

Die noch leeren Stuhlreihen werden sich schnell füllen

Erst mal ein Rundgang durch die Räume, in denen die Lose zur Besichtigung bereitstanden. Die Bieter hatten sich wohl schon lange vorher informiert, denn der Andrang hier war überschaubar. Der Auktionssaal füllte sich zusehends. Also erst mal einen Platz sichern. Sogar der Fußboden musste als Sitzplatz herhalten und selbst auf den Stehplätzen wurde es enger.

Los Nummer 121 Ferrari 365 GTB-4 Daytona Berlinetta

Los Nummer 121 Ferrari 365 GTB-4 Daytona Berlinetta

Bis 15 Uhr hatte ich noch ein paar Minuten – Zeit genug für einen Blick in den Katalog, der sehr schön gestaltet war. Vor allem informierte er zweisprachig, wobei allerdings deutlich die Muttersprache des Verfassers zu erkennen war. Den oft zu knappen Beschreibungen in deutscher Sprache hätte ein kritisch-kundiger Korrekturblick gut zu Gesicht gestanden. Aber was soll‘s. Den teuren Losen hatte das Auktionshaus deutlich mehr Platz eingeräumt als den günstigeren – sogar teilweise mit doppelseitigen Fotos. Sie sollten ja auch mehr Aufgeld in die Kassen des Veranstalters spülen. Das teuerste der mit einem Estimate versehenen Lose im Katalog trug die Nummer 139: ein 1930er Bentley 4½ Litre Supercharged. Er sollte zwischen 700.000 und 800.000 Euro erzielen, musste aber noch bis zur Mitte der Auktion warten, damit die Bieter sich vorher ein wenig „warm bieten“ konnten.

Das erste Los - Ein Ford Taunus 15 M Weltkugel

Das erste Los – Ein Ford Taunus 15 M „Weltkugel“

Punkt 15 Uhr begann die Versteigerung mit der Los Nummer 101, einem 56er Ford Taunus 15 M „Weltkugel“, das als „No Reserve Los“ im Katalog angekündigt war. Ein Auto, an das ich mich aus meiner Jugend noch gut erinnern konnte. Längst nicht alle Bieter schienen jedoch diese sentimentalen Erinnerungen zu haben. Der erfahrene, von einer charmanten deutschsprachigen Schönheit assistierte Auktionator Douglas Jamieson musste den Einstiegspreis bis auf 1.000 € senken, bevor der erste Interessent sein Schild hob. Telefonanbieter gab es für dieses Los auch noch nicht. Trotz des Hinweises von Douglas, dass das Auto sogar Mille Miglia-fähig sei, fiel der Hammer schon bei 5.000 € und damit deutlich unter dem Estimate von 8-12 T€. Immerhin erfolgte der Zuschlag…

Bereits zu diesem Zeitpunkt konnte jedoch von einer hitzigen Auktion gesprochen werden. Die Raumtemperatur stieg schnell auf Hochsommerwerte. Und auch die Bieter kamen langsam in Stimmung. Ein erster Höhepunkt war mit Los Nummer 106 der wohl älteste existierende Lancia 20/30 HP Tipo „Epsilon“ Corsa aus dem Jahr 1912. Estimate zwischen 300 und 380 T€. Er stieß jedoch nicht auf das erwartete Interesse – weder im Saal, noch bei den Telefonbietern. Das Höchstgebot von 190.000 Euro lag daher weit unter dem Estimate und vor allem unter dem vereinbarten Mindestpreis, sodass diesmal kein Zuschlag erfolgte.

Insgesamt gab es bei den 61 Losen nur 17mal den Eintrag „Not sold“. Die Erfolgsquote lag also bei 72 Prozent. Ein sehr gutes Ergebnis.

Der Auktionator Douglas Jamieson bei der Arbeit

Der Auktionator Douglas Jamieson bei der Arbeit

Der Auktionator hatte sich mittlerweile „warmgeredet“. Routiniert überspielte er Wartezeiten, die dadurch entstanden, dass die bis zu vier Telefonleitungen zu den Bietern aus aller Welt nicht sofort funktionierten. Ansonsten war das Tempo der Auktion bewundernswert. Douglas ging gekonnt auf die Bieter ein, plauderte locker, passte das Einstiegsgebot der Nachfrage an und akzeptierte auch kleinere Gebotsschritte – meistens jedenfalls. Teilweise entwickelten sich richtige Schlachten zwischen den Telefon- und den Saalbietern.

Höchstgebot für den Alfa Romeo 6 C 1500 Super Sport Zagato

Höchstgebot für den Alfa Romeo 6 C 1500 Super Sport Zagato

Bei Los Nummer 127 war im Katalog kein Estimate angegeben. Für den dort auf acht Seiten präsentierten 1930er Alfa Romeo 6C 1500 Super Sport Zagato forderte der Auktionator als Einstieg eine runde Million. Nun ja, das war an diesem Nachmittag wohl etwas zu hoch gegriffen, aber das Einstiegsgebot von 650.000 € konnte sich dennoch sehen lassen. Viel weiter stieg es aber trotz aller Bemühungen und Anpreisungen seitens des Auktionators nicht. Das Höchstgebot von 750.000 € stellte den Verkäufer zu Recht nicht zufrieden – schließlich wurde ein ähnlicher Wagen auch schon für mehr als 2 Millionen versteigert. Der Alfa war damit sicher das prominenteste „Not Sold-Los“.

Bei einem Bentley Blower mit Los-Nummer 139 lag das Einstiegsgebot bei 400 T€. Danach ging es in 50.000er Schritten zügig hoch bis 650.000. Die Frage eines Bieters „Would you accept 670.000?“ bejahte der Auktionator in seiner verbindlichen Art. Danach ging es nur noch in kleinen 5.000er Schritten weiter bis zum Höchstgebot von 680 T€, das das Estimate zwar knapp verfehlte, aber augenscheinlich das Mindestgebot übertraf. Anerkennender Beifall allenthalben für den höchsten Zuschlag des Nachmittags.

Bemerkenswert war noch Los Nummer 146. Während sich fast alle Fahrzeuge in einem befriedigenden bis sehr guten Zustand präsentierten, wurde hier als Paradebeispiel eines „Scheunenfundes“ ein 1948er Nardi-BMW-Gilco angeboten. Der Katalogtext sprach zwar von „herrlicher Patina“ und pries einen guten Zustand an, das Estimate von 130 bis 150 T€ wurde jedoch bei weitem nicht erreicht. Bei 85 Tausend endeten die Gebote und auch hier sollte „Not sold“ notiert werden. Vielleicht sehen wir den Wagen in einigen Jahren in restauriertem Zustand auf einer Auktion wieder…

Nach zwei Stunden fiel der Hammer schließlich zum letzten Mal. Die meisten Bieter und Zuschauer hatten die kurzweiligen 120 Minuten gut durchgehalten und viele der Beteiligten werden mit dem erzielten Ergebnis zufrieden sein.

Well done Douglas!

P.S.: Zu allen hier genannten Zuschlagspreisen addiert sich ggf. noch eine zu entrichtende Umsatzsteuer – je nachdem, woher das Auto stammt und natürlich das Aufgeld, das in den sehr „Kleingedruckten“ Geschäftsbedingungen mit 15% für die ersten 50.000 € und 10% auf den Restbetrag angegeben war.